Die Liebe führt auch zu gemeinsamen
Projekten. Etwa dem über die Liebe: Die Ausstellung "True Romance", die
derzeit in der Wiener Kunsthalle Herzenswunden enthüllt, ist eine
Kooperation der Kunsthalle Kiel, der Villa Stuck und der Wiener
Kunsthalle.
Im Grundkonzept eines Überblicks von der
Renaissance bis in die Gegenwart erinnert sie ein wenig Werner Hofmanns
"Zauber der Medusa" von 1987. Dabei geht Kuratorin Belinda Grace
Gardner von den Sonetten Francesco Petrarcas aus und bekam in Wien die
gar nicht so ferne Laura Giorgiones als sensationelle Leihgabe aus dem
Kunsthistorischen Museum. Dazu treten dank des Sammlers Rainer Speck
die Original-Buchausgaben und Gustav Klimts "Liebe" aus dem Wien
Museum.
Die Sensationen werden sich an den unterschiedlichen Orten der Schau
abwechseln, die Villa Stuck etwa setzt stärker auf die Präraffaeliten.
Doch Dante Gabriel Rosettis "Paolo und Francesca" und Franz von Stucks
"Amor Imperator" sind auch in Wien Beispiele der Diktatur der Liebe.
Die 70 Prozent an zeitgenössischer Kunst – dafür stehen die
Mit-Kuratoren Angela Stief und Gerald Matt – bringen die Ironie ins
Spiel, zeigen aber auch das Abgleiten in den Kommerz. Von den drei
Arten der Liebe gibt die fürsorgliche, trotz der letzen Skulptur von
Wilhelm Lehmbruck, weniger her als die erotische Variante oder die der
Allegorien von Venus und Amor. Selbst Peter Weibel, Valie Export,
Ulrike Rosenbach, Erwin Blumenfeld und Elodie Pong greifen Paradebilder
der Renaissance wie Sandro Botticelli auf, Antikenrezeption betreiben
Michelangelo Pistoletto, oder Petrus Wandrey.
Carl Andre verkürzt die Liebe auf Bodenplatten aus Kupfer in
symbolischer Vaginaform, kalte Erotik – auch mit silberfarbenen Bonbons
als Ersatz für das Körpergewicht der Geliebten – zeigen Félix
Gonzáles-Torres’ "Lover Boys."
Feuer und Eis, Anziehung und Abstoßung, sogar Hass und Terror äußern
sich in Anna Jermolaewas vernichtenden Küssen von Micky-Maus-Masken
oder in Ulay und Abramovics Atem raubendem Dauerkuss. Dora Maar tauscht
das Geschlecht und macht Amor weiblich, und bei Richard Artschwager ist
die Verschmelzung nur noch eine haarige Angelegenheit.
"Die Antike ist unsere Moderne" – diese Schau dreht den Slogan der
"Documeta 12" um, romantische Vereinigungen der Jahrhunderte aus
heutigem Blick sind aktuell. Die Liebe hat sich in den virtuellen Raum
und in die neuen Medien vorgewagt. Das Resultat sind Fragen nach neuer
und alter gesellschaftlicher Domestizierung und nach dem Tod, der schon
hinter Albrecht Dürers Liebespaar lauert: Er folgt ab 17. Oktober mit
"Viva la muerte" – einem Blick nach Südamerika.
True Romance
Belinda Grace Gardner
(Konzept)
Wiener Kunsthalle
Zu sehen bis 3. Feb. 2008
Herzenswunden.
Donnerstag, 04. Oktober 2007