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Postlyrische Gedichte

(cai) Das Ganze heißt schon so betrüblich: "(ele’gi:)" (die phonetische Transkription von "Elegie"). Dass das Autokorrekturprogramm, das meine Schreibhoheit einfach ignoriert, jetzt dauernd aus dem ":)" ein J machen will, werte ich als latente Ironie (die dem Franz Graf vielleicht eh ganz recht ist).

Auf die Tür der Galerie Kargl würde übrigens das Schild von Dantes Höllentor gut passen: "Lasst, die ihr eintretet, nicht bloß einen fahren, sondern gleich alle ." Äh, ich mein’ natürlich: "Lasst alle Hoffnung fahren!" (Obwohl Ersteres ja erklären würde, wieso es in der Hölle so nach Schwefel riecht.) Als ich aus der Galerie wieder draußen war, hat jedenfalls eine Schachtel Pralinen meine Stimmung wieder aufhellen müssen. Das Ensemble aus "traurigen" Objekten, Bildern und aus düsteren Zitaten, die aus diversen Texten (von Kafka usw.) herausgerissen worden sind, versetzt einen nämlich in einen desolaten Gemütszustand. Überall geschundenes Blech, das man keiner Automarke mehr zuordnen kann. Vanitassymbole eben. Oder Monumente des Benzinpreis ekels? (Nie wieder tanken!) Eine abgestürzte Discokugel scheint sagen zu wollen: Die Party ist vorbei!

Und der schwarze Spiegel? Ein Selbstbemitleidungsutensil? Man könnte ihn ja fragen, wer die Deprimierteste im ganzen Land sei, und der tät’ womöglich antworten: " Ihr seid die Deprimierteste hier, aber eine quecksilbervergiftete Eisbärin hinter den sieben Eisbergen ist noch tausendmal deprimierter als Ihr." Ein Übersetzungsprogramm hat schließlich aus einem Trakl-Poem ein verstörendes "postlyrisches Gedicht" gemacht. Grafs Bilder freilich sind gar zu lieblich verrätselt: Hände, Blümchen, irritierende Schrift. Oder zu belanglos. Wie die hübschen "Krankenschwestern" (eine Männerfantasie wie die ewig junge Maria). Insgesamt kann man die Ausstellung aber als konzeptuelle Trauerarbeit "durchgehen" lassen.

Galerie Georg Kargl
(Schleifmühlgasse 5)
Franz Graf
Bis 19. April
Di. bis Fr. 11 bis 19 Uhr
Sa. 11 bis 15 Uhr

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Streifen mag man eben

(cai) Diese Bilder sind ja so erholsam. Ich muss vorher weder die neueste Theorie über den Einfluss von Aspirin auf die Kunstkritik gelesen haben, noch den Brockhaus. (Ach, den hätt’ ich mir wahrscheinlich eh nur von A bis D reinziehen müssen, D wie "Dekonstruktivismus".) Und es kann mir völlig wurscht sein, was es mit der ominösen "Postmoderne" auf sich hat (und ob uns die "Nachzukunft" auch noch bevorsteht und die "Spätvergangenheit" sich bloß unbemerkt an uns vorbeigeschummelt hat). Denn Dominique Chapuis macht extrem übersichtliche Bilder, in denen man sich sofort zurechtfindet: Rhythmisch angeordnete, malzkaffeefarbene Streifen auf weißem Grund, da und dort milchig trüb. (Wegen dem Wachs.) Die Technik (an der Holz, Leinwand, Japanpapier, Acryl und Wachs beteiligt sind) ist ungefähr so geheim wie das Rezept für die Sachertorte. Und das Resultat ähnlich deliziös wie die Süßspeise. (Nicht dass ich reingebissen hätte.)

Galerie Lindner
(Schmalzhofgasse 13/3)
Dominique Chapuis
Bis 2. Mai
Di. bis Fr. 14 bis 18 Uhr

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Welkende Farben

(cai) Das könnten Faschingsnarren sein, die als normale Menschen kostümiert sind (die allerdings einen Hang zu geschmacklosen Stoffmustern und übertriebenem Kopfschmuck haben). Die physiognomielosen Gesichter sind wild gemustert wie der Rest. Gentlemen, Bräute, Personen in makabrer Feierstimmung. Totenköpfe mahnen wieder einmal an die Vergänglichkeit des Fleisches. Immerhin hält Ryan Mosley das morbide Flair konsequent durch. Sogar die Farben sind welk (schmutzig bunt). Aber müssen so viele Ornamente wirklich sein? (Na ja, wenigstens gibt’s kein Norwegermuster.)

Engholm Engelhorn Galerie
(Schleifmühlgasse 3)
Ryan Mosley
Bis 30. April
Di. bis Fr. 11 bis 19 Uhr
Sa. 11 bis 15 Uhr

Mittwoch, 16. April 2008

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