Ausstellung: Take me here by the Dishwasher
Softporno mit hoffnungslosem Romantiker
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Eine soziale, lebende Skulptur. Foto: Bawag Contemporary
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Seit der Biennale 2009 und der Hommage für Christoph Schlingensief im
TBA 21 in Wien liebt die Kunstszene Ragnar Kjartansson. Nun gastiert der
sich als "hoffungslosen Romantiker" Bezeichnende mit zwei Filmen und
einer täglichen Musik-Performance in den Räumen des Bawag Contemporary.
Der Titel der Schau "Take me here by the Dishwasher – Memorial for a
Marriage" bezieht sich auf einen Film, aber auch auf sein Leben.
Es ist ein Remake des ersten erotischen Thrillers in Island,
"Mordsaga" von 1977, in dem seine Eltern die Hauptdarsteller waren. Am
Filmset begann ihre heiße Romanze und der Künstler wurde gezeugt; nun
lässt er seine Eltern die Liebesszene nachspielen: Einsame Hausfrau
wartet träumend auf den Installateur, der den Geschirrspüler reparieren
soll, aber zum Liebhaber wird.
Ein absurder Dialog der beiden wurde von Kjartan Sveinsson,
Keyboarder der isländischen Postrockband Sigur Rós, vertont und wird von
zehn professionellen Musikern mit Gitarre gespielt. Diese "Troubadours"
sitzen auf Möbeln und Decken – zum täglichen Spiel von 16 bis 19 Uhr
trinken und rauchen sie.
Für Kjartansson ist der Typus "Mann mit Gitarre" die Ikone der
Jugendkultur, aber auch Klischee für rebellisches Aufbegehren als
kommentierte Wiederkehr des immer Gleichen – wie der Loop des Films.
Erinnerungen an die "Singing Sculptures" Gilbert & George aus den
70ern sind erlaubt – hier entsteht gemeinsam mit dem Publikum eine
soziale Skulptur, als Zeichen für das neue Kapitel, das die Performance
in der aktuellen Kunst aufschlägt. Dazu kommt das Rollenbild des
Künstlers und sein Bedienen aller Medien. Die Auflösung der
Kunstgattungen ist für Kjartanssons Allroundradius so wesentlich wie der
kulturhistorische Blick zurück. Das Wiederbeleben alter Rituale und
Mythen befasst sich zudem mit einem breiten Spektrum an Identitäten.
Den Mississippi-Bluessänger Pinetop Perkins (1913–2011) filmte
Kjartansson 201.049 Minuten lang an seinem Klavier. Der 97-Jährige tritt
auf, spielt, raucht unentwegt und flucht über das verstimmte Klavier.
Die "Bühne", eine Wiese, inszenierte der Künstler nach einem Gemälde des
US-Malers Andrew Wyeth. "The Man" wird zur Huldigung eines Fans mit
einem Modell der Ewigkeit.
Ausstellung
Take me here by the Dishwasher
Ragnar Kjartansson
Bawag Contemporary
bis 26. Juni
Printausgabe vom Freitag, 06. Mai 2011
Online seit: Donnerstag, 05. Mai 2011 18:56:00