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Kunstberichte

Das Kunsthistorische Museum zeigt den jungen Engländer Glenn Brown

Nach der Apokalypse

Wilde Pinselführung:

Wilde Pinselführung: "Deep Throat" von Glenn Brown. Foto: Courtesy Gagosian Gallery

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Der 1966 geborene Engländer Glenn Brown gehört zu den international bekanntesten Vertretern einer neuen fantastischen Strömung in der Malerei. Passend zur Ausstellung der Werke von Giuseppe Arcimboldo werden seine seltsamen Mischwesen im Bassano Saal des Kunsthistorischen Museums dem Publikum als aktuelle Parallele präsentiert.

Doch nicht nur der klassische Manierismus, der mit seinen spielerischen Collagen aus Pflanze, Tier, Landschaft oder gar Gegenständen wie Büchern Figuren und Köpfe formt, beschäftigt den Künstler, sondern auch die Malerei der letzten Jahrzehnte. Die Technik ist teilweise altmeisterlich - Öl auf Holz -, das erinnert hier nach wie vor an die "Wiener Schule des phantastischen Realismus" in den 60er und 70er Jahren. Doch deren Vertreter sind dem jüngeren Brown wohl kaum bekannt – seine Vorbilder kommen aus dem Symbolismus eines Rene Magritte, der wilden Malerei der 80er Jahre, der Werbung und einer Untergrundszene, die mit schwarzen "Gothic"- und Horrorwelten kokettiert.

Neues altes Spiel der Kunst

Diese bunte, teilweise unangenehme Mischung ist typisch für die neue figurative Malerei, die allerdings auch die Errungenschaften der abstrakten Malerei, mit ihrer Freude an der malerischen Oberfläche und ihrer Selbstverliebtheit, in eine perfekte Technik integriert. Natürlich ist der Faktor des Unheimlichen, Nächtlichen, der fleischlichen Assoziationen, aber auch der Erinnerung an Tod und Verwesung eine erhebliche Triebfeder. Schon die Antiheldenbilder des deutschen Malerfürsten Georg Baselitz haben zum Teil eine ähnlich schwammig-schleimige Erscheinungsform - dem ist das Bild "International Velvet" nahe. Das Konzept wird aber bei Brown zudem durch Anspielungen im Titel an zeitgenössische Literatur, Musik und Filme weiter intellektuell verrätselt. Das ewig neue und doch alte Spiel der Kunst, Betrachter zu verunsichern und damit zu bannen.

Die Deformation eines Francis Bacon ist hier zusammengewürfelt mit den Fischgesichtern Arcimboldos, die Natur ist aber bei Brown kaum mehr Thema, bei ihm hat die Apokalypse längst stattgefunden. Tod, Tragik und Moder als stilles Leben bringen Gegensätze in Schwingung, die jenseits von Schön und Hässlich oder auch der Obszönität von Kitsch liegen - die Schocks in der ordinären Anspielung "Deep Throat" oder "Osmond Family" sind vom sich wiederholenden Zitat abgeschwächt.

Das unvermeidliche Aufzeigen des Scheiterns an der Welt, aber, mit Selbstironie, auch des Scheiterns an der eigenen Malerei, lässt den schwarzen Humor nur noch tröpfchenweise auftauchen. Die freundschaftliche Nähe zu Arcimboldo mag vorhanden sein, aber zum Glück hängt Brown nicht neben dem alten Meister einen Stock tiefer: er könnte nicht standhalten gegen dessen Qualität.

Aufzählung Ausstellung

Glenn Brown Katarzyna Uszynska (Kur.) Kunsthistorisches Museum Wien – Bassano Saal bis 1. Juni

Donnerstag, 17. April 2008

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