Kunst ist eine sichere Bank
Sammlung der UniCredit Group. Das Bank Austria Kunstforum wurde wieder eröffnet mit Highlights aus dem immensen Sammlungsbestand eines internationalen Bankenkonsortiums.
ERNST P. STROBL Wien (SN). Wie kommt man in den Besitz einer Kunstsammlung? Ganz einfach, man kauft eine Bank. Fast könnte man den Überblick verlieren, wem man nun sein Erspartes anvertraut hat oder zumindest, in wessen Besitz das Bankinstitut ist, wo man einst ein Konto eröffnete. Die Bankenlandschaft ist enorm zusammengeschrumpft, wer wen „geschluckt“ hat, ist bald nur mehr Wirtschaftsredakteuren bekannt. Was passiert eigentlich mit den Kunstsammlungen, die zahlreiche Banken angelegt hatten? Wie man eine Bank kauft und zugleich eine Kunstsammlung, das führt die neue Ausstellung vor Augen, mit der das wegen Umbau lang geschlossene Kunstforum Bank Austria an der Wiener Freyung wieder eröffnet wurde.
Die UniCredit Group ist in 23 Ländern präsent als Aufkäufer eingesessener Institute. Dazu gehört auch die Bank Austria, deren hauseigene Sammlung – immerhin fast 9000 Kunstwerke – schon vorher durch Fusionen entstanden ist. Zu den pionierhaft frühen Sammlern gehört die HypoVereinsbank, sie macht zusammen mit der Bank Austria nun den Kern der Sammlung der UniCredit Group aus, das heißt, mit den Kunstwerken zahlreicher Banken in Ost- und Zentraleuropa sind mittlerweile unfassbare 60.000 Werke in einer Sammlung vereint.
Ingrid Bruegger, Direktorin des Kunstforums, ist schon wieder voller Pläne nach der langen Sperre des Hauses, nicht nur, weil sie ein fast unendliches Depot von Werken zur Verfügung hat. Vorläufig sind bis 10. Jänner unter dem Titel „PastPresentFuture“ Highlights aus der Sammlung der UniCredit Group zu sehen, danach kommt eine „sensationelle“ Stillleben-Schau, wie Bruegger ankündigt, es folgen 2010 weiter Alte Meister der Moderne von Van Gogh bis Cézanne und zuletzt eine große Frida-Kahlo-Schau.
Bis 10. Jänner kann man einen kleinen Überblick erhalten über Kunst aus vier Jahrhunderten, denn ein Teil der von Walter Guadagnini kuratierten Schau ist auf die Sammlungstätigkeit der italienischen „Mutter“ zurückzuführen. In Italien wurde über viele Jahre hinweg fast ausschließlich „alte“ Kunst bevorzugt, besonders in der 2007 erworbenen Bank Capitalia lagerten bedeutende Werke alter Meister.
Guadagnini hat die Räume mit rund 80 Exponaten thematisch bestückt und Querverbindungen und überraschende Geistesverwandtschaften hergestellt. So hängt im Raum „Body Talk“ neben Valie Exports Selbstporträt mit Strumpfband eine dralle Renaissance-„Psyche“ von Dosso Dossi aus dem Jahr 1525, im Raum „Von Angesicht zu Angesicht“ erblickt man eine Porträtübermalung von Arnulf Rainer und gegenüber Francisco Goyas „Porträt der Marquesa de Caballero“ (1807).
Den Eingangsbereich dominiert eine Installation von Giulio Paolini mit drei blicklosen Skulpturen, Maler, Modell und Betrachter. Landschaften von Paul Brils altmeisterlicher „Flusslandschaft“ bis zum kolossalen Hochgebirge des Fotografen Axel Hütte beeindrucken, auch bei „Metropolis“ oder „Geometrie“ werden Künstlergenerationen zusammengerückt. Eine vielfältige Schau für allerhand Erkenntnisse.www.bankaustria-kunstforum.at
