18.01.2002 20:04:00 MEZ
Artothek-Privatisierung: Niemand weiß etwas
Die Grünen wollen Prüfung beantragen

Thomas Trenkler

Wien - Die Vorgänge im Zusammenhang mit der Artothek, deren Administration von Kunststaatssekretär Franz Morak (VP) stillschweigend privatisiert wurde, werden immer undurchsichtiger. Karl Öllinger, Abgeordneter der Grünen, überlegt daher, den Unterausschuss des Rechnungshofausschusses mit der Angelegenheit zu befassen.

Wie berichtet, erhielt Moraks Berater Christian Pultar mit seinem Verein Gesellschaft zur Förderung der Digitalisierung des Kulturgutes den Zuschlag. Laut Alois Schitten-gruber, im Kanzleramt mit Vergabeangelegenheiten betraut, war nach Ende der Interessentensuche (Anfang Juli 2001) nur ein Anbot vorgelegen: von der Theaterservice-GmbH der Bundestheater. Geschäftsführer Josef Kirchberger (SP) bot geeignete Lagerräume im Arsenal an und lag mit seinen finanziellen Forderungen erheblich unter den bisherigen Kosten der Artothek. Dennoch wurde die Interessentensuche auf Mitte August verlängert: Erst am 9. August reichte Pultar die Gründung seines Vereins ein.

Mitte August suchte Pultar zudem mit der WWV Partner SteuerberatungsgmbH, bei er Teilhaber ist, um Förderungen aus dem EU-Beschäftigungsprogramm Equal an. In der Liste der Antragsteller wird als Partner für das Projekt "Neue Beschäftigung durch Digitalisierung des Kulturgutes" das Bundeskanzleramt Kunstangelegenheiten genannt.

Auch die Catro Management Services GmbH brachte einen ähnlichen Antrag ("Digitalisierung österr. Kulturgüter") ein - ebenfalls mit dem BKA als Partner. Otto Leissinger, Ansprechpartner bei Catro, erklärte gegenüber dem STANDARD, er wisse nichts Genaues: "Man ist an mich herangetreten." Dass es auch einen zweiten Antragsteller gibt, der mit dem BKA kooperiert, erstaunte ihn. Der Catro-Antrag wurde negativ beurteilt, jener von Pultar positiv.

Um Förderungen erhalten zu können, müssen, wie berichtet, mehrere Partner kooperieren. Das Antragsformular des Pultar-Projektes beinhaltet aber etliche Angaben, die zweifelhaft erscheinen. Einer der Partner ist die GmbH Kucera's Fotostudio. Wenn man die angegebene Nummer wählt, gelangt man zu Kurt Pultar, dem Bruder von Christian. Die Ehefrau hebt ab und weiß von nichts. DER STANDARD erreichte den Mode- und Werbefotografen Bernd Peter Kucera dennoch. Auf die Frage, ob sein Unternehmen eine "private Organisation ohne Erwerbscharakter" sei, wie im Formular angegeben, sagt er, er erhalte Honorare für seine Tätigkeit. Im Übrigen wisse er nichts von dem Projekt.

Als Ansprechpartner wird im Formular Kurt Pultar angegeben. Wählt man die nebenstehende Nummer, landet man aber beim Anschluss von Christian Pultar. Dort hebt Bruder Manfred ab. Er wisse nichts von dem Projekt. Der versprochene Rückruf von Christian Pultar erfolgte nicht.

(DER STANDARD; Print, 19./20.1.2002)


Quelle: © derStandard.at