| Salzburger Nachrichten am 17. Oktober 2001 - Bereich: kultur
An der Schnittstelle von Poesie und Kunst
"Im Buchstabenfeld" - Eine von Peter Weibel konzipierte
Ausstellung in der Neuen Galerie Graz
"Der Entwurf zur Zukunft der Literatur", wie Peter Weibel seine
Schau nennt, die sich anhand von Beispielen mit einer Kunstpraxis, die
sich mit dem Wort und teils mit den neuen Medien auseinandersetzt, bleibt
doch deutlich im Kontext der bildenden Kunst verhaftet. Er beginnt mit
frühen Beispielen, die Interaktivität ansatzweise vorwegnahmen. Ecke Bonks
vorwärts und rückwärts lesbarer Hilferuf an die Medien - aide moi : o
media - auf Spiegeln knüpft an eine Tradition visualisierter Texte an, die
am Beginn des 20. Jahrhunderts aktuell waren. Die Beweglichkeit der
Buchstaben hat inzwischen durch die Möglichkeiten des Internets
zugenommen, und die Interaktivität folgt nicht mehr vorgegebenen Mustern.
Wie schon Stephane Mallarme`, dessen jahrelange Bemühungen, ob die
Metaebene eines Textes, letztlich als Frage der Typographie gesehen werden
kann, so erweisen sich Strategien mit dem Prinzip des Zufallsgenerators
als Grundmuster für Kunstwerke. Die via Video produzierte Textschleife von
David Larcher läuft im leeren Raum. David Gabriel produziert
"Poesiemaschinen", die zwar auf Texteingaben reagieren, die den "Mitautor"
aber wohl nicht mehr betreffen. Die Formen der Interaktivität sind denkbar
bescheiden. Masaki Fujihatas "Beyond Pages", lassen einem die Möglichkeit,
durch Eintragungen ins virtuelle Buch Geschichten auszulösen. Diese sind
zwar vom Künstler vorgegeben, aber wenn sich überraschend im verdunkelten
Zimmer eine Tür zu öffnen scheint, ein Kind hurtig den Ort verlässt, so
sieht man sich doch an die Zeit erinnert, als Märchen noch real
erschienen. Zusammenfassend kann man in dieser Ausstellung eine
Fokussierung auf Literaturen feststellen, die jenseits von linearem
Schreiben und Lesen auf einem interdisziplinärem Gebiet agieren. Als Trend
der Zeit können die Überschneidungen der Kunstbereiche auch parallel in
diesem "steirischen herbst" bei Beat Furrer in der Musik, die Sprache als
Tonfragment einsetzt, aber auch als Bedeutungsträger zulässt, beobachtet
werden.
JANA WISNIEWSKI
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