Artikel aus profil Nr. 11/2003
Kampf und Krach

Das BA-CA Kunstforum zeigt rund 200 Werke des italienischen Futurismus.
Die Leserschaft des „Figaro“ muss nach der Lektüre des „Futuristischen Manifests“ von F. T. Marinetti im Februar 1909 schockiert gewesen sein; war doch da die Rede von der Zerstörung der Museen und der Schönheit, die es nur im Kampf gebe. Die von der destruktiven Euphorie dieses Textes infizierte Künstlergruppe bildete die zwiespältigste Avantgardebewegung der Moderne: Künstlerisch war sie in ihren Versuchen, die Dynamisierung des Alltags durch technische Errungenschaften darzustellen, durchaus progressiv; politisch hingegen war sie nationalistisch, in letzter Konsequenz auch faschistisch.

Die Wiener Ausstellung vollzieht in konventioneller, chronologisch-didaktischer Hängung die Genese des Futurismus nach: Zunächst ist der Zugang formal noch traditionell, so etwa bei Umberto Boccioni, der die Bildfläche mit nervösen Strichen und aufflackernden Lichtern rhythmisiert. Erst als die Futuristen mit dem Kubismus in Berührung kommen, finden sie zu einer unkonventionelleren Formensprache, zerhacken wie Giacomo Balla Bewegungen in ihre Einzelteile oder verschieben wie Gino Severini Ebenen und Objekte ineinander. Obwohl das Kunstforum mit einem Bronzeguss von Boccionis „Urformen der Bewegung im Raum“ die wohl bekannteste futuristische Arbeit präsentiert, fehlen viele Schlüsselwerke, die die Entwicklung stringenter veranschaulicht hätten. Dafür findet man neben amüsanten Lautgedichten, absurden Bühnenbildentwürfen und Designstücken der eher kuriosen Art eine wunderbare Krachmaschine von Luigi Russolo.

Autor: Nina Schedlmayer


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