Das BA-CA Kunstforum zeigt rund
200 Werke des italienischen Futurismus.
Die Leserschaft des „Figaro“ muss nach
der Lektüre des „Futuristischen Manifests“ von F. T. Marinetti im
Februar 1909 schockiert gewesen sein; war doch da die Rede von der
Zerstörung der Museen und der Schönheit, die es nur im Kampf gebe.
Die von der destruktiven Euphorie dieses Textes infizierte
Künstlergruppe bildete die zwiespältigste Avantgardebewegung der
Moderne: Künstlerisch war sie in ihren Versuchen, die Dynamisierung
des Alltags durch technische Errungenschaften darzustellen, durchaus
progressiv; politisch hingegen war sie nationalistisch, in letzter
Konsequenz auch faschistisch.
Die Wiener Ausstellung
vollzieht in konventioneller, chronologisch-didaktischer Hängung die
Genese des Futurismus nach: Zunächst ist der Zugang formal noch
traditionell, so etwa bei Umberto Boccioni, der die Bildfläche mit
nervösen Strichen und aufflackernden Lichtern rhythmisiert. Erst als
die Futuristen mit dem Kubismus in Berührung kommen, finden sie zu
einer unkonventionelleren Formensprache, zerhacken wie Giacomo Balla
Bewegungen in ihre Einzelteile oder verschieben wie Gino Severini
Ebenen und Objekte ineinander. Obwohl das Kunstforum mit einem
Bronzeguss von Boccionis „Urformen der Bewegung im Raum“ die wohl
bekannteste futuristische Arbeit präsentiert, fehlen viele
Schlüsselwerke, die die Entwicklung stringenter veranschaulicht
hätten. Dafür findet man neben amüsanten Lautgedichten, absurden
Bühnenbildentwürfen und Designstücken der eher kuriosen Art eine
wunderbare Krachmaschine von Luigi Russolo.