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Illustration

Prada für alle!

(cai) Kleider machen Leute und Leute machen Kleider. Manchmal machen auch Künstler irgendwas mit Kleidern. Dass Nachthemden Großmütter machen (aus bösen Wölfen zumindest), das wissen wir vom Rotkäppchen, dem ja erst nach kleinlicher Überprüfung der biometrischen Merkmale ("Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!" usw.) der Verdacht kam, dass die Oma "gefälscht" ist. Was das mit der Ausstellung "The Enforced Dress" (das aufgezwungene Kleid) zu tun hat? Eigentlich nix.

Denn der Olaf Nicolai stiftet die Menschheit ja nicht zum Fälschen von Großmüttern an, sondern von Prada-Anzügen. Hat, in einem Akt von Modepiraterie, den genauen Bauplan für besagtes elitäres Gewand kurzerhand einer Regionalzeitung beigelegt. Prada für alle (die selber nähen können)! Dürfte den Pro-Kopf-Verbrauch an Prada-Gewändern freilich nicht wesentlich erhöht haben. Hätte er stattdessen das Schnittmuster für die Karosserie von einem Ferrari allgemein zugänglich gemacht, wie hätte sich das wohl auf den Straßenverkehr ausgewirkt? Nicht im Geringsten. Und wenn Jochen Zeirzer aus Leichensäcken eine Militäruniform schneidert, möchte man spontan fragen: "Geht’s noch plakativer?" Andererseits: Krieg ist nun einmal nicht subtil.

Und weil Mode vergänglich ist, ein Kleidungsstück aber ein Gedächtnis hat, erinnert Milica Tomic in gewohnter Eindringlichkeit an getötete Albaner, indem sie in einem bildmächtigen Video die rekonstruierten Kleider der Opfer alle übereinander trägt und nach und nach auszieht. Von Veronika Schubert: ein Strickfilm. Endlich! Trick filme sind ja bereits fad. Den Filmstreifen aus gestrickten Einzelbildern (die zu einem Video vereint und mit Dialogen aus Herz-Schmerz-TV-Serien vertont worden sind) kann man sich sicher auch als Schal umwickeln. Schon die Idee allein verdient Anerkennung.

Kunstraum Niederösterreich
(Herrengasse 13)
The Enforced Dress
Bis 17. November
Di. bis Fr. 11 bis 19 Uhr
Sa. 11 bis 15 Uhr
Anziehend.

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Ich flutsche, also bin ich

(cai) Ich kann schwimmen, also bin ich. Ich flutsche, also bin ich womöglich sexy. Eine existenzialistische Angelegenheit jedenfalls. Denn die Allgegenwart einer gewissen Kopfbedeckung in Zusammenhang mit mehr oder weniger nackten Menschen wird ja eher keine sexuelle Fantasie sein, obwohl es Badehaubenfetischisten durchaus geben mag auf diesem wasserreichen Planeten. Alexander Kiesslings ziemlich aufregende Bildwelt voll subjektiver Absurdität (Gemälde und Lambdaprints), wo Latexbemützte japsen, im Schlafsack nach Sauerstoff ringen oder in traumatische Situationen verwickelt sind (aber auch in ganz unverfängliche Modemagazinszenen), vermischt die Ersatzwelten des Cyberspace und die "realen Realitäten" süffig miteinander. Die Malereien tun wirklich alles, um zu gefallen: surreales Kolorit, plakative Glätte, delikate Lasuren. Auch die Büsten (Luft holende Schwimmer in aufdringlich unnatürlichen Farben) glitschen ins Aug’. Und der kleine Psychologe in uns ist hier sowieso beschäftigt.

Suppan Contemporary
(Habsburgergasse 5)
Alexander Kiessling
Bis 24. November
Mo. bis Fr. 10 bis 18 Uhr
Sa. 10 bis 12.30 Uhr
Unübersehbar.

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Die Zuckerln sind reif

(cai) Schon vom Hinschauen kriegt man Karies oder Diabetes. Ein Zuckerschock ist aber das mindeste. Vor zartromantischen Hintergründen räkeln sich Äste, auf denen aufs Üppigste Kunstharzkleckse kleben. In picksüßen Zuckerlfarben. Die Bilder von Saeko Takagi schmatzen regelrecht. Gut, zwischendurch hat die pickige Idylle eh ihre – japanischen – Reize. Doch meist sind einfach mehr Süßigkeiten da, als man verkraften kann, ohne sich den Magen (quasi psychosomatisch) zu verderben. Oder die Augen?

Galerie Frey
(Gluckgasse 3)
Saeko Takagi
Bis 26. November
Mo. bis Fr. 11 bis 19 Uhr
Sa. 10 bis 16 Uhr
Nix für Diabetiker!

Mittwoch, 14. November 2007


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