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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
06. Dezember 2007
03:26 MEZ
Galerie Krinzinger. Seilerstätte 16, 1010 Wien. Bis 18. 1. 2008

Link: www.galerie-krinzinger.at  

Foto: Galerie Krinzinger
Dutzende putzig anzuschauende japanische Kaufleute in ihren Booten und ein paar Seevögel: Perspektive der Überlagerung in "Octopus Fishing" von Shintaro Miyake

Von Kraken und Kaufleuten
Die japanische Edo-Zeit in "süßen" Bildern und andere putzige Gestalten von Shintaro Miyake in der Galerie Krinzinger

Heulkonzerte sind vorprogrammiert, wenn dem Nachwuchs vor dem großen Haufen mit den süßen roten Plüschkraken erklärt werden muss "Nein, wir können keines mitnehmen." Und: "Nein, auch nicht nur kurz spielen. Nein!" Der Niedlichkeitsfaktor ist derzeit in der Galerie Krinzinger eine echte Bedrohung für Eltern.

Shintaro Miyake, der als einer der Shootingstars der japanischen Kunstszene gilt, spielt bereits seit 2000 mit den süßen und putzigen Zuschreibungen, dem Kindchenschema, den großen Köpfen, runden Körpern, Kulleraugen. Die erste Figur des 1970 in Tokyo geborenen und mittlerweile zwischen Neuseeland, Helsinki, Mailand und Berlin ausstellenden Miyake war allerdings kein Tier, sondern Sweet-san (Miss Sweet, www.sweetstar.jp), die er - wohl augenzwinkernd - als Ausrede anführte, "viele süße Mädchen zu zeichnen". Über die Tiere und Kreaturen, die er zeichnet und in deren Rollen er schlüpft, will er alles wissen: Lebensräume, Nahrung, aber auch wie sie denken und was ihre Hobbys sind. Miyake spielt mit den Attributen, die wir unseren tierischen Freunden und Comic-Helden geben, den treuen Hunden und den königlichen Löwen. Und wenn er zum Biber wird (A Beaver's Life) dann ist er auch ein fleißiger Arbeiter.

In der Galerie Krinzinger, wo er 2004 als Artist in Residence das weiße Unschulds-Monster Innocy erfand, erzählen in Hatchobori seine vom japanischen Anime und Manga beseelten und Ähnlichkeiten zu Geschöpfen der Gugginger Künstler aufweisenden Figuren eine Geschichte aus der japanischen Edo-Zeit (1600-1867): einer Zeit des Friedens und des florierenden Handels. Besonders faszinieren jene riesigen (3,4 m) großen "Seestücke" auf Karton, die säuberlich ausgeschnitten hinter Glas montiert werden und deren Wolken echte Schatten an die Galeriewand werfen. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.12.2007)


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