
Shintaro Miyake, der als einer der Shootingstars der japanischen Kunstszene gilt, spielt bereits seit 2000 mit den süßen und putzigen Zuschreibungen, dem Kindchenschema, den großen Köpfen, runden Körpern, Kulleraugen. Die erste Figur des 1970 in Tokyo geborenen und mittlerweile zwischen Neuseeland, Helsinki, Mailand und Berlin ausstellenden Miyake war allerdings kein Tier, sondern Sweet-san (Miss Sweet, www.sweetstar.jp), die er - wohl augenzwinkernd - als Ausrede anführte, "viele süße Mädchen zu zeichnen". Über die Tiere und Kreaturen, die er zeichnet und in deren Rollen er schlüpft, will er alles wissen: Lebensräume, Nahrung, aber auch wie sie denken und was ihre Hobbys sind. Miyake spielt mit den Attributen, die wir unseren tierischen Freunden und Comic-Helden geben, den treuen Hunden und den königlichen Löwen. Und wenn er zum Biber wird (A Beaver's Life) dann ist er auch ein fleißiger Arbeiter.
In der Galerie Krinzinger, wo er 2004 als Artist in Residence das weiße Unschulds-Monster Innocy erfand, erzählen in Hatchobori seine vom japanischen Anime und Manga beseelten und Ähnlichkeiten zu Geschöpfen der Gugginger Künstler aufweisenden Figuren eine Geschichte aus der japanischen Edo-Zeit (1600-1867): einer Zeit des Friedens und des florierenden Handels. Besonders faszinieren jene riesigen (3,4 m) großen "Seestücke" auf Karton, die säuberlich ausgeschnitten hinter Glas montiert werden und deren Wolken echte Schatten an die Galeriewand werfen. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.12.2007)