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Quer durch Galerien

Oje, ein Elch sitzt am Steuer

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Der "Kippeffekt" ist bei den meisten Autos nicht serienmäßig eingebaut (höchstens, wenn ein Elch am Steuer sitzt). Deshalb darf man sich ungeniert wundern, wenn man einen Renault (Baujahr 64) geradezu stoisch in Seitenlage parken sieht (selbst wenn er das nur auf einem Foto macht, das übrigens absolut perfekt ist). Und weil das "Seitenparken" (klingt nicht zufällig wie Seitenschwimmen) in der Straßenverkehrsordnung nicht wirklich vorgesehen ist, ist es auch schon Wurscht, dass Christopher Williams nicht geblinkt hat, bevor er diesen Karosserieklassiker auf die Seite gerollt hat.
Williams (zusammen mit zwei weiteren kompromisslosen Konzeptkünstlern bis 16. November im Mezzanin, Mariahilfer Straße 74a) ist trotzdem kein Exzentriker mit perversen Parkgewohnheiten, sondern genau genommen ein "1968er-Wiederbetätiger". In aufwändiger Präzisionsarbeit (eigentlich schon kaltblütig) hat er nämlich eine Straßenbarrikade (ein umgekipptes Auto in den Straßen von Paris im 68er Jahr) "nachgestellt" und dann fotografiert. Das Ergebnis: Ein Renault jenseits von Zeit und Asphalt. (Denn die ausgefallene Parksünde findet in einem leeren Studio statt.) Eine geläuterte Straßenrevolte sozusagen (brav, fast müsste man sagen: reaktionär), von der alles temperamentvoll Revoluzzerhafte wegdestilliert worden ist. Gekonnt surreal. Pikanterweise sieht der Renault auf dem Foto täuschend echt wie ein Modellauto aus. Williams hätte es folglich viel energiesparender haben können.
Für minimalistische Leser: Ein Buch aufschlagen in drei Schritten. Ein Buch kommt ja nicht gleich zur Sache, sondern ziert sich zunächst einmal und teilt einem vorerst nur Bildtitel, Autor und Verlag mit - und sogar das in Raten. S. R. Vásquez hat nun dreimal umgeblättert und den "Vorspann" eines Sachbuchs gewissenhaft abfotografiert (die kargen Doppelseiten haben dabei ungeahnte ästhetische Qualitäten).
Wenn die Mixer niedrig fliegen, werden wir bald . . . (da fällt mir jetzt auf die Schnelle keine praktikable Bauernregel ein). Bei William Leavitt schweben in zartschmelzend romantischen Landschaften ohne ersichtlichen Grund Konsumgüter herum. Verstörend (jedenfalls für die, die immer alles verstehen wollen). Für Farben ist Leavitt sehr sensibel. Etwa wenn der Himmel mit seinem abendlichen "Erdbeerteint" zu den Erdbeeren im Mixer passt. Insgesamt zeigt die Schau: Konzeptkunst muss nicht trocken sein. (Auch Konzeptkünstler haben ein Zwerchfell. Zum Glück.)
Man wird geblendet wie von einem entgegenkommenden Fahrzeug: In Hiroshi Sugimotos geradezu sakralen Schwarzweißfotos (bis 8. November in der Galerie Klaus Engelhorn 22, Stubenring 22) "scheint" eine gleißend weiße Kinoleinwand wie eine übernatürliche Lichtquelle in die schwülstig überladenen Kinosäle der amerikanischen zwanziger und dreißiger Jahre hinein. Durch die extreme Belichtungszeit (in Spielfilmlänge) wird der Kinofilm "verschluckt". Da ist also nicht nichts, sondern alles auf einmal. Aber anders als beim Prinzip "Fruchtsaftkonzentrat" heißt das in diesem Fall nicht, dass man die weiße Leinwand in den Fotos nur stark genug zu verdünnen braucht (also nur kübelweise Wasser draufschütten muss) und der Film käme wieder zum Vorschein. Auch wenn hier gewissermaßen alle Filme gleich sind (weil sie sich alle in Licht aufgelöst haben), lassen diese unwiderstehlich mysteriösen Fotos keine Langeweile aufkommen.

Erschienen am: 02.11.2001

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bullet BAWAG Foundation: Ernst Caramelle (bis 25. November)

bullet Historisches Museum: Peter- Sengl- Retrospektive "Schrecklich - Schön"

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bullet Kupferstichkabine tt der Akademie: Reiner Schiestl

bullet Galerie Johannes Faber: Lartigue und Halsman

bullet Stadthaus Ulm: "Nightscapes - Fotografien der Nacht"

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