Salzburger Nachrichten am 10. Jänner 2003 - Bereich: KI
Österreichischer Maler Walter Navratil gestorben

Walter Navratil wurde am 24. 6. 1950 als Sohn des Psychiater- Ehepaars Erna und Leo Navratil in Klosterneuburg (NÖ) geboren. Er wuchs in der anstaltsinternen, elterlichen Dienstwohnung in Gugging auf und hatte so engen Kontakt zu den Künstler-Patienten des "Haus der Künstler", darunter Tschirtner und Walla.

Navratil identifizierte sich mit der österreichischen "Art brut". Kritiker bezeichneten ihn als "das wohl erstaunlichste grotesk- schwermütige Talent, das die österreichische Nachkriegskunst aufzuweisen hat."

Seine Arbeiten stellte Navratil nur sporadisch aus, u.a. bei den Schauen "Parallel Visions" (1992) im Los Angeles County Museum, in der Kunsthalle Basel, im Setagaya Museum Tokio und in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Bonn. Nach beinahe zehnjähriger Distanz zum Wiener Ausstellungsbetrieb hatte Navratil 1998 eine Einzelausstellung in der Bawag Foundation Wien.

Navratil verweigerte sich zeitgenössischen Tendenzen und arbeitete vorwiegend mit traditionellen Bildgattungen wie Stillleben, Landschaft und Porträt, versehen mit irritierenden Momenten. Seine Bilder spiegeln eine geistige Welt wider, die die Wirklichkeit als uneinheitliches, rational undurchschaubares, fantastisches Konstrukt wahrnimmt. (Schluss) pip

WWN0043 2003-01-10/15:46