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| 21.10.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Wer rettete das zehntorige Wien? | ||
| "Stadt. Leben. Wien": Die Albertina zeigt fotografische Stadtansichten von 1850 bis 1914. | ||
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Es war eine alte Stadt, von der Sigmund Freud die
"phantastische Annahme" machte, sie sei "nicht eine menschliche
Wohnstätte, sondern ein psychisches Wesen von ähnlich langer und
reichhaltiger Vergangenheit, in dem also nichts, was einmal zustande
gekommen war, untergegangen ist, in dem neben der letzten
Entwicklungsphase auch alle früheren noch fortbestehen". Natürlich war es Rom, in dem Freud sein Bild des
Unbewussten fand. Doch auch in Wien lässt sich gut von den alten Schichten
phantasieren, schon der Stadtplan regt einen an: Schottentor, Stubenbastei
usw., in den Wörtern lebt das Wien vor 1857 weiter, das zehntorige Wien
(Kärntner-, Karolinen-, Stuben-, Franz-Josefs-, Rotenturm-, Fischer-,
Neu-, Schotten-, Franzens-, Burg-), mit all den Basteien dazwischen, von
denen wir nur mehr Reste kennen, im schlimmsten Fall von Protzgebäuden
umschlossen. Als ob er unsere Nostalgie im Voraus gespürt hätte (und
wohl im Gedanken an noch ältere, auch optisch unwiederbringliche
Formationen der Stadt), ließ Alois Auer, Direktor der Staatsdruckerei, die
Stadtbefestigung in den Jahren vor und während ihres Abbruchs mit der
neuen Technik fotografisch festhalten. Von allen Seiten, auch den Schutt,
die G'stätten, die zwischenzeitlich ans (noch) freie Glacis grenzten.
Bald kam dazu der Blick von oben, von Dächern auf Dächer,
aufs "Häusermeer", die Vorstufe aller "Google-Earth-Visionen", schon 1842
sozusagen in Voraussicht karikiert auf dem Titelblatt zu Stifters "Wien
und die Wiener": Blick von der Türmerstube zu St. Stephan, man sieht
paradoxerweise St. Stephan, doch die dargestellten Betrachter sehen
gar nicht dorthin, sondern auf eine Daguerrotypie, die ihnen ein Mann mit
Narrenmütze zeigt. Dieser Holzstich eröffnet den faszinierenden Zeitgang,
der auch zu einer Baustelle namens Votivkirche (um 1860) führt, und dann,
1893, zum nächsten Abriss: des Linienwalls. Da ist man dann auch schon
draußen aus dem Bürgerlichen, im Proletariat und Lumpenproletariat, das
Hermann Drawe 1904 abgelichtet und damit ans Licht gebracht hat,
u. a. für die Postkartenserie "Wiener Straßenleben", pittoreskes
Elend. Schließlich Emil Mayers Blicke auf Blicke: "Außenseiter",
"Zaungäste", die nach den Attraktionen des Praters gieren. Fotografie, die
sich bereits selbst reflektiert. tk Bis 22. Jänner, tägl. 10-18, Mi 10-21. |
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