| Salzburger Nachrichten am 10. Dezember 2005 - Bereich: Kultur
Das Kreuz mit der Provinz Der Galerist Eugen Lendl
nimmt in Graz einen neuen Anlauf
Martin BehrGraz (SN). Er belebt seit 38 Jahren die Grazer Kunstszene
mit Ausstellungen: Nachdem er bisher an zwei Orten (Gleisdorfergasse,
Palais Wildenstein) aktiv war, bündelt Eugen Lendl nun seine Kräfte.
Kürzlich wurden die neuen Räume der Galerie Eugen Lendl im Palais Lengheim
in der Bürgergasse mit einer Personale des Künstlers Rudi Molacek aus der
Taufe gehoben. Der 60-jährige Galerist will es trotz der seiner Ansicht
nach ungünstigen Rahmenbedingungen noch einmal wissen. "Ich bin
zuversichtlich, obwohl im Grazer Kunstmarkt etwas faul zu sein scheint",
sagt Lendl. Spätestens mit "Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas" sei "der Ofen aus
gewesen", betont Lendl, dessen Brüder Hubert (Galerie Welz, Salzburg) und
Andreas (Haus der Kunst, Graz) ebenfalls in der Kunstmarktbranche tätig
sind. Die Hauptprobleme in der zweitgrößten Stadt Österreichs? "Es gibt,
anders als etwa in Salzburg, Wien oder auch Oberösterreich, nicht so viele
kaufkräftige Kunden, Graz ist eine arme Stadt, keine Hauptstadt", sagt
Lendl, dessen Programm in den vergangenen Jahren unter dem Titel "Väter
und Söhne" stand. Zu diesem Kreuz mit der Provinz komme, dass das Publikum durch die
"exzellente Museumsarbeit der Neuen Galerie" sehr verwöhnt sei. Die Folge:
"Mit unserem international tauglichen Programm spielen wir in einer Liga,
der wir letztlich nicht gewachsen sind." Am Standort Gleisdorfergasse präsentierte Lendl seit 1986
zeitgenössische Kunst, ein Anliegen war ihm die Förderung heimischer
Talente wie Werner Reiterer, Michael Kienzer, Markus Wilfling oder Manfred
Erjautz. Bei Reiterer, der "jetzt international gut eingeführt ist", komme
nun langsam Geld zurück, sagt Lendl. Nachsatz: "In diesem Business muss
man einen sehr langen Atem haben." In Graz gebe es keine Sammlertradition,
weder für alte, noch für zeitgenössische Kunst: "Wer hier kauft, kauft,
weil er den direkten Umgang mit dem Galeristen und Künstler schätzt." Vor einigen Jahren hatte Lendl überlegt, mit seiner Galerie nach Wien
zu übersiedeln. Dort habe aber ein "Bandenkrieg" zwischen den Galerien in
der Eschenbachgasse und der Schleifmühlgasse getobt: "Ich bin lieber in
Graz die Nummer eins, als in Wien, wo die Messer tief fliegen, die Nummer
15." Am neuen Standort plant er auch eine Forcierung der Grafik, im
zweiten Stock des Gebäudes will er Arbeiten auf Papier vom 16. Jahrhundert
bis zur Gegenwart zeigen und Werke aus seinem umfangreichen Buch- und
Kunstantiquariat anbieten. Die Blütezeit des Grazer Galerienwesens seien die späten 80er Jahre
gewesen, erklärt der Galerist. Heute gibt es neben Lendl mit der Galerie
& Edition Artelier, Bleich-Rossi und Schafschetzy nur noch wenige
Galerien von internationaler Relevanz. Im Auftakt zu einem neuen Anlauf
zeigt Lendl neue Arbeiten des Steirers Rudi Molacek. Unter dem Titel
"Schlesische Straße" sind Malereien zu sehen, die erst am Computer
skizziert und dann in die Realität umgesetzt wurden. Es ist eine
reduzierte, bisweilen kontemplative Malerei, die von einer eingehenden
Beschäftigung mit dem Phänomen Farbe zeugt. |