Ein kleiner Teil der Neuerwerbungen der
Albertina führen in der Basteihalle klar vor Augen: Hier kauft der
Direktor. Seine Vorlieben sind unübersehbar das monumentale Format und
die klassischen Namen. Die zentrale Rolle spielt die Gegenüberstellung
der grafischen Techniken mit Gemälden – denn das ist bekanntlich ein
Teil der Ausstellungspolitik Klaus Albrecht Schröders.
Nicht alle 120 Exponate der aktuellen
Ausstellung sind Besitz des Hauses, Ergänzungen kommen aus den
Dauerleihgaben der Sammlung Batliner, aus der Kooperation mit der
Sammlung Rheingold, der österreichischen Ludwig Stiftung und der
Nationalbank. Die Leipziger Holzschneiderin Christiane Baumgartner –
Leitmotiv des Katalogbuchs – ist dabei ihrem Idol Franz Gertsch
zugeordnet.
Eine Sonderposition nimmt im Raum davor der Fotografien malerisch
und zeichnerisch überarbeitende Arnulf Rainer ein. Anselm Kiefer kann
mit seinen, teils aus Teer hergestellten riesigen Holzschnitten und
zwei zum Objekt mutierenden Gemälden mit Holz, Schnüren und Blei, in
die er mit weißem Stift auch hineinschreibt, als neuer Schwerpunkt
gelten: schwer auch seine apokalyptisch anmutenden Themen deutscher
Vergangenheit wie "der Rhein." Weitere deutsche Künstler sind im
höchsten Bannkreis: Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Gerhard Richter
oder Sigmar Polke.
Von der jüngeren Generation, die beim letzten Einblick noch durch
sieben Künstlerinnen vertreten war, ist keine Spur mehr – Max Weiler,
Herbert Brandl und Maria Lassnig vertreten gefestigte österreichische
Positionen. Letztere hat ihre Mixturen aus Malerei und Zeichnung von
1976 bis 2000 nicht nur der Sammlung Essl vermacht – ihre Schenkung
verrät auch den Beitrag der Kuratorin Antonia Hoerschelmann. Im mit dem
Pinsel gezeichneten Ölbild aus 2007 zeigt Lassnig Rückgriffe auf ihre
frühen Bilder der 60er-Jahre.
Auch die Kohlezeichnung kann ins Monumentale gesteigert werden – so
bei den Stars Robert Longo und William Kentridge; der Hauptvertreter
des amerikanischen "Cool-Painting", Alex Katz, erweckt den Karton der
Renaissance zu neuem Leben. Seine Vorarbeiten auf Papier sind denn auch
nicht mit der Glätte seiner Gesellschaftsporträts zu vergleichen – sie
führen ein Eigenleben. Der Wechsel von der Vorstudie zum eigenen
zeichnerischen Konzept ist bekanntlich die Tat der Künstlergeneration,
die heute selbst in den Siebzigern ist.
Kunst nach 1970
Albertina Wien
Bis 16. März
Imposante Formate.
Donnerstag, 11. Oktober 2007