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Kunstberichte

Junges in der Albertina: Weltweisheit in schwarzen Rinnen

Ausstellung
Illustration
- Georg Baselitz: „Einer malt mein Porträt“ aus 2002.  Foto: Georg Baselitz /Albertina, Wien

Georg Baselitz: „Einer malt mein Porträt“ aus 2002. Foto: Georg Baselitz /Albertina, Wien

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Ein kleiner Teil der Neuerwerbungen der Albertina führen in der Basteihalle klar vor Augen: Hier kauft der Direktor. Seine Vorlieben sind unübersehbar das monumentale Format und die klassischen Namen. Die zentrale Rolle spielt die Gegenüberstellung der grafischen Techniken mit Gemälden – denn das ist bekanntlich ein Teil der Ausstellungspolitik Klaus Albrecht Schröders.

Nicht alle 120 Exponate der aktuellen Ausstellung sind Besitz des Hauses, Ergänzungen kommen aus den Dauerleihgaben der Sammlung Batliner, aus der Kooperation mit der Sammlung Rheingold, der österreichischen Ludwig Stiftung und der Nationalbank. Die Leipziger Holzschneiderin Christiane Baumgartner – Leitmotiv des Katalogbuchs – ist dabei ihrem Idol Franz Gertsch zugeordnet.

Eine Sonderposition nimmt im Raum davor der Fotografien malerisch und zeichnerisch überarbeitende Arnulf Rainer ein. Anselm Kiefer kann mit seinen, teils aus Teer hergestellten riesigen Holzschnitten und zwei zum Objekt mutierenden Gemälden mit Holz, Schnüren und Blei, in die er mit weißem Stift auch hineinschreibt, als neuer Schwerpunkt gelten: schwer auch seine apokalyptisch anmutenden Themen deutscher Vergangenheit wie "der Rhein." Weitere deutsche Künstler sind im höchsten Bannkreis: Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Gerhard Richter oder Sigmar Polke.

Von der jüngeren Generation, die beim letzten Einblick noch durch sieben Künstlerinnen vertreten war, ist keine Spur mehr – Max Weiler, Herbert Brandl und Maria Lassnig vertreten gefestigte österreichische Positionen. Letztere hat ihre Mixturen aus Malerei und Zeichnung von 1976 bis 2000 nicht nur der Sammlung Essl vermacht – ihre Schenkung verrät auch den Beitrag der Kuratorin Antonia Hoerschelmann. Im mit dem Pinsel gezeichneten Ölbild aus 2007 zeigt Lassnig Rückgriffe auf ihre frühen Bilder der 60er-Jahre.

Auch die Kohlezeichnung kann ins Monumentale gesteigert werden – so bei den Stars Robert Longo und William Kentridge; der Hauptvertreter des amerikanischen "Cool-Painting", Alex Katz, erweckt den Karton der Renaissance zu neuem Leben. Seine Vorarbeiten auf Papier sind denn auch nicht mit der Glätte seiner Gesellschaftsporträts zu vergleichen – sie führen ein Eigenleben. Der Wechsel von der Vorstudie zum eigenen zeichnerischen Konzept ist bekanntlich die Tat der Künstlergeneration, die heute selbst in den Siebzigern ist.

Kunst nach 1970

Albertina Wien

Bis 16. März

Imposante Formate.

Donnerstag, 11. Oktober 2007


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