| Selbstinszenierung | |
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Kuratorin Maia Damianovic will mit ihren Inszenierungen des Selbst
den neuen Existenzialismus in der bildenden Kunst zum Thema
machen. |
Die Konstruktion sieht halsbrecherisch
aus: Vom Balkon des Vorderhauses, auf dem offenbar ein Chemieklo steht,
führt in luftiger Höhe ein aus Latten, Blechprofilen und Pappe gezimmerter
Gang quer über den Hinterhof zu einem Fabrikbau. Geht man hinein, winden
sich durch die zwei Ausstellungsräume weitere Gänge, in denen es knarrt,
schleift, hämmert. Der Tunnel ist Ward Shelleys Beitrag zu dem von Maia
Damianovic kuratierten Projekt "Enactment of the Self" und wird während
dreier Wochen von dem Künstler und seiner Crew bewohnt und umgebaut
werden. Dabei werden sie den Tunnel nie verlassen. Den Besuchern werden
sie dabei nie anders sichtbar als durch einige im Innern montierte
Kameras: die Inszenierung des Selbst als indirekte Präsenz. Ethik statt Moral Maia Damianovic versteht ihre Ausstellung als Reflex auf einen sich
ethisch statt moralisch legitimierenden neuen Existenzialismus. Die
Projekte der beteiligten Künstlerinnen und Künstler sind dabei weder als
pädagogische Aufklärung eines unbedarften Publikums noch als eine weitere
Verästelung der in die Jahre gekommenen Identitätsdebatten zu verstehen -
letztere sind dabei zwar präsent, nicht aber bestimmend. Statt dessen
sollen die ausgestellten Arbeiten als "Reihe von Schauplätzen für
existenzielle Inszenierungen und Affirmationen" bilden. Wechselndes Selbst Weniger auf die konkrete Ausstellungskonzeption als auf die Arbeiten
selbst und die Konventionen der Kunstrezeption ist zurückzuführen, dass
das nicht durchgehend gelingt. Schlimm ist es außerdem nicht: So bietet
zwar Barbara Holubs Projekt "zwischen rollen" die Möglichkeit, über den
Zaun eines künstlichen Gartens mit einem zufälligen Nachbarn zu schwatzen,
während Lucy Orta am
9. November 42 Gäste zum Essen und später die selben Personen nebst je
sechs Freunden zu einem Buffet lädt.
Die eindrucksvollste der Arbeiten verzichtet jedoch auf diese Momente
inszenierter Interaktion: In einem Video zeigt Gitte Villesen Aufnahmen
aus Gesprächen und dem Alltag der heute 66-jährigen transsexuellen
Solveig, die, nachdem sie sich Jahrzehnte als Mann definiert hatte, heute
als ehrbare ältere Frau auftritt. Die Bilder zeigen die Oberfläche eines
konventionell kleinbürgerlichen Lebens, an der die ebenso
unkonventionellen Erzählungen Solveigs sich reiben: Dass das Selbst keine
unveränderliche und singuläre Existenz hat, sondern allein in stets
wechselnden Inszenierungen besteht. Link: Enactments of the Self | ||||