VN Do, 11.5.2006

Politik
Lokal
Sport
Markt
Kultur
Magazin
Welt

Chronik
Leserbriefe

VN-Heimat

Anzeigen
eVN.vol.at
eVN-Offline

Leser
werben Leser






Kultur 

Schau dir in die Augen, Kleines

Galerie K12 präsentiert neue Arbeiten des Vorarlbergers Rainer A. Schneider.

ARIANE GRABHER

Bregenz (VN) Ist das Auge die Tür ins Innere? Kann man durch das Auge in eine andere Person hineinschauen? Diesen und ähnlichen Fragen geht Rainer A. Schneider in seiner künstlerischen Arbeit nach, von der die aktuelle Ausstellung in der Galerie K12 eine delikate Kostprobe bietet.

Im vergangenen Jahr verzückte Schneider als Neuaufnahme im Künstlerhaus noch mit einem Kuss-Video. Aktuell besinnt er sich in einer räumlichen Videoinstallation und digitalen Fotocollagen auf seine eigentliche Obsession - das Porträt.

Kommunikation

Befasst mit den existenziellen Dingen im Leben, spürt der Künstler analytisch suchend der Kraft nach, die im Moment eines Blickes oder einer Berührung steckt. Der Versuch der visuellen Umsetzung gerät dabei zur eigenständigen, konsequenten Weiterentwicklung des Genres Porträtmalerei. Verwurzelt in der Tradition der großen Maler des vergangenen Jahrhunderts, verleiht Schneiders neuartiger Ansatz dem Medium kraftvolle Impulse und verwandelt die Porträtmalerei in ein hochaktuelles, multimedial geprägtes Betätigungsfeld. Zwischen Zeichnung und Fotografie interessiert den Künstler der Dialog zwischen den Menschen, der das Ich über das Du definiert. Zwischen Ähnlichkeit, Abbild und Wirklichkeit liegt die Wahrheit für Schneider im Blick allein. "Ein Blick ist die ehrlichste Form der Kommunikation", sagt der Künstler und kehrt in seinen "digitalen Einhand-Porträts" das Innere nach Außen. Als Mischung aus Handzeichnung und Digitalisierung, die Zunge zur Oberfläche machend, werden Bilder zersplittert und dann zu neuen ästhetischen Konstrukten zusammengefügt.

Schlicht mit "Maria" oder "Patrick" betitelt, sind Rainer Schneiders Porträts keinesfalls schön im klassischen Sinn. Im Gegenteil. Sich dem Glanz glatter Konsumästhetik und oberflächlicher Leichtigkeit verweigernd, verstören, ja erschrecken sie auf den ersten Blick.

Gesichtsanalyse

Die Macht des Blickes thematisiert auch die Videoinstallation "Spinning W. II.". Julia, die Protagonistin in dem Video, von der nur ein Teil des Gesichts zu sehen ist und die sich während 60 Minuten auf dem Hometrainer abstrampelt, fixiert den Beobachter. Dieser, vor zwei Projektionsflächen wandernd, beobachtet wiederum die Veränderungen im Gesicht der Protagonistin, deren Haut sich allmählich zu röten und deren Augen zu glänzen beginnen. Als eigenwillige Analyse des menschlichen Gesichts im Zeitalter der Beschleunigung verknüpft die Videoarbeit zwischen Sehen und Gesehenwerden Aspekte wie Zeit, Blick und Räumlichkeit.

Die Ausstellung ist bis 3. Juni in der Galerie K12 (Kirchstraße 12) in Bregenz geöffnet, Mi bis Fr, 16 bis 19 Uhr, Sa, 15 bis 19 Uhr.

ZUR PERSON

Rainer A. Schneider Bildender Künstler Geboren: 1971 in Gaißau Ausbildung: Universität für angewandte Kunst in Wien, Studium der Theologie Laufbahn: Ausstellungen und Kunst am Bau, u. a. in Wien und Bregenz Wohnort: Wien

Die Videoarbeit Schneiders verknüpft zwischen Sehen und Gesehenwerden Aspekte wie Zeit, Blick und Räumlichkeit. (Filmstill: Schneider)

Die Porträts sind ästhetische Konstrukte. (Foto: Schneider)




Kultur 

Zum Seitenbeginn