ARIANE GRABHER
Bregenz (VN) Ist das Auge die Tür ins Innere? Kann man durch das
Auge in eine andere Person hineinschauen? Diesen und ähnlichen
Fragen geht Rainer A. Schneider in seiner künstlerischen Arbeit
nach, von der die aktuelle Ausstellung in der Galerie K12 eine
delikate Kostprobe bietet.
Im vergangenen Jahr verzückte Schneider als Neuaufnahme im
Künstlerhaus noch mit einem Kuss-Video. Aktuell besinnt er sich in
einer räumlichen Videoinstallation und digitalen Fotocollagen auf
seine eigentliche Obsession - das Porträt.
Kommunikation
Befasst mit den existenziellen Dingen im Leben, spürt der
Künstler analytisch suchend der Kraft nach, die im Moment eines
Blickes oder einer Berührung steckt. Der Versuch der visuellen
Umsetzung gerät dabei zur eigenständigen, konsequenten
Weiterentwicklung des Genres Porträtmalerei. Verwurzelt in der
Tradition der großen Maler des vergangenen Jahrhunderts, verleiht
Schneiders neuartiger Ansatz dem Medium kraftvolle Impulse und
verwandelt die Porträtmalerei in ein hochaktuelles, multimedial
geprägtes Betätigungsfeld. Zwischen Zeichnung und Fotografie
interessiert den Künstler der Dialog zwischen den Menschen, der das
Ich über das Du definiert. Zwischen Ähnlichkeit, Abbild und
Wirklichkeit liegt die Wahrheit für Schneider im Blick allein. "Ein
Blick ist die ehrlichste Form der Kommunikation", sagt der Künstler
und kehrt in seinen "digitalen Einhand-Porträts" das Innere nach
Außen. Als Mischung aus Handzeichnung und Digitalisierung, die Zunge
zur Oberfläche machend, werden Bilder zersplittert und dann zu neuen
ästhetischen Konstrukten zusammengefügt.
Schlicht mit "Maria" oder "Patrick" betitelt, sind Rainer
Schneiders Porträts keinesfalls schön im klassischen Sinn. Im
Gegenteil. Sich dem Glanz glatter Konsumästhetik und oberflächlicher
Leichtigkeit verweigernd, verstören, ja erschrecken sie auf den
ersten Blick.
Gesichtsanalyse
Die Macht des Blickes thematisiert auch die Videoinstallation
"Spinning W. II.". Julia, die Protagonistin in dem Video, von der
nur ein Teil des Gesichts zu sehen ist und die sich während 60
Minuten auf dem Hometrainer abstrampelt, fixiert den Beobachter.
Dieser, vor zwei Projektionsflächen wandernd, beobachtet wiederum
die Veränderungen im Gesicht der Protagonistin, deren Haut sich
allmählich zu röten und deren Augen zu glänzen beginnen. Als
eigenwillige Analyse des menschlichen Gesichts im Zeitalter der
Beschleunigung verknüpft die Videoarbeit zwischen Sehen und
Gesehenwerden Aspekte wie Zeit, Blick und Räumlichkeit.