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Sadtplan Parcours Völklingen

Workshop "YTIC" vom 08.07.-13.07.2003

Die Hochschule der Bildenden Künste Saar veranstaltete in Zusammenarbeit mit der Stadt Völklingen einen Kunstparcours von Studierenden. Es wurden orts- und situationsbezogene Arbeiten und mediale Installationen in ausgewählten Ladenlokalen und Außenräumen der Völklinger Innenstadt bis Wehrden gezeigt. Unter dem Logo YTIC 03 waren künstlerische Arbeiten zu sehen, die auf vorgefundene städtebauliche oder gesellschaftliche Leerstellen reagierten und den Blick auf diese Orte lenkten. Die im Sommersemester 2003 erarbeiteten Projekte spannten den Bogen von der Malerei/Plastik über Video, Klang, Licht und Fotografie bis zur Performance. Mit freundlicher Unterstützung durch den Ministerpräsidenten des Saarlandes


Kunst-Arbeit im Rhythmus der Stadt
von Sabine Graf, Saarbrücker Zeitung, 19.07.2003

Wenn sich Kunsthochschule und Stadtverwaltung zusammentun, wird es spannend: Beim Projekt YTIC 03 - Kunstparcours Völklingen spüren junge Künstler städtischen Orten, städtischen Rhythmen nach.

Völklingen. Ja nichts dekorieren: Das war nie der Job der Kunst, ist es nicht und wird es nie sein. Kunst macht ihr eigenes Ding. Und dennoch: Die Hochschule der Bildenden Künste Saar nahm die Einladung der Stadt Völklingen an, um in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing ein Projekt zu verwirklichen - und das soll helfen, den Leerstand von Geschäften in der Innenstadt zu überwinden.

Das YTIC 03 genannte Projekt der Saar-Kunsthochschule - betreut von Professor Daniel Hausig und der Medienkünstlerin Claudia Brieske, die als Lehrbeauftragte an der Hochschule arbeitet - ist gelungen. Denn es nutzt den Ort für Kunst, ohne sich dabei je in den Dienst einer anderen als ihrer eigenen Sache zu stellen. Was nicht heisst, dass sich die einzelnen Teilnehmer des Projektes nicht mit dem Ort beschäftigt hätten. Im Gegenteil, das haben sie sehr wohl getan. Nur eben auf die ihnen gewohnte Weise:

Nicht etwa als Werbebotschafter für die Völklinger Innenstadt, sondern als Künstler, die sich mit den Besonderheiten dieses Ortes und seinen Bedingungen auseinander gesetzt haben. Dass gerade die vordergründige Bezugnahme auf Völklinger Themen eher unglücklich ist, erweist die Fotoinstallation von Dragana Pesic in einem Ladenlokal neben Photo Porst. Historische Familienporträts, die sie zusammengetragen hat, kombiniert sie mit zeitgenössischen Familienfotos von Menschen aus Völklingen. Starr-Offizielles aus der Gründerzeit steht neben Privat-Legerem aus der Gegenwart: Hätten wir uns das nicht denken können?

Dagegen stehen die Fotografien, die eine Projektgruppe um die Fotografin Jutta Schmidt erarbeitet hat und in einem ehemaligen Ladenlokal in der Rathausstraße schlecht präsentiert. Das Gesicht der Stadt in Jugendstilfassaden und kuriosen Klingelschildern lässt den Blick zwischen Alltagspraxis und Sonntagsgesicht hin- und herwandern; es macht den Betrachter zum Spurenleser, ohne ihm einen historischen Blick aufzuzwingen.

Mit dem Ort arbeiten: Anika Hoff tut das in ihrer Rauminstallation in einer Apotheke in der Rathausstraße, indem sie am Bild der Blume das Werden und Vergehen zeigt, als Symbol auch des städtischen Lebens. Zugleich mahnt der strenge Duft von Raumerfrischern an den Zwang, allzeit frisch und unverbraucht zu scheinen: Auch das ein Kommentar zur Lage der Stadt.

Auf deren Rhythmus lässt sich Ireen Köpkes Video- und Klanginstallation in der Passage zur Volkshochschule ein. Von der Zerstörung der Kühltürme in Wehrden spricht dagegen die Video- und Klanginstallation von Veronique Verdet und Nathalie Cordier in der Kulisse eines entkernten Geschäfts. Der Ort, den man achtlos durchläuft, macht diese Achtlosigkeit deutlich: Man sieht die Projektion eines mit Tabletts beladenen Fließbands. Hier antwortet Kunst aufs Leben.

Das tut auf andere, ebenso akzeptable Weise auch eine Gruppe von Malern. Igor Dörge nimmt sich in seinen Bildern der Stadtmöblierung an, sprich: der Abfallbehälter und Bänke; Vera Kattler isoliert in kleinformatigen Zeichnungen Ausschnitte aus dem Stadtbild und schafft es dabei, den vorgefundenen, zitronengelb gestrichenen Ausstellungsraum einzubeziehen. Und eine Gruppe von Malerinnen inszenierte in „Occupato - Die 3-Tage Galerie" (im Cityhaus) eine traditionelle Galeriesituation - auch das lässt der Ort zu.

Wie die meisten Projekte nimmt auch dieses den gegebenen Raum, um ihm mit künstlerischen Arbeiten eine neue Gestalt zu geben. Noch ein Beispiel: Aus dem Leerstand in der Rathausstraße 35 3 wurde der „Klangladen Völklingen“. Darin finden sich vibrierende Flaschen, ein Raum im Raum mit leichtem Schattenspiel, ein singender Mund und...

Viel steht zu erwarten. Aus der Fassade des Kaufhofs wölbt sich ein von Veronika Barnas entworfener Körper plastisch in den Strassenraum. Auch das ein Hinweis, wie man diesem YTTC 03-Projekt begegnen kann; Einfach darauf zugehen und den Raum erfahren.


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Beteiligte Künstler


 
Cordier / VerdetYTIC-CafeVera KattlerIgor DrögeOccupatoOne Minute SculpturesDragana PesicAnika HoffIrene KöpckeVeronika BarnasSpurensuche im urbanen RaumKlangladenGabriele HellerSeoul-Völklingen-SeoulKatrin FischerIngo BrackeIngo Wendt