
Was andernorts womöglich nur als Worthülse existiert, das wurde in Zürich zum Motto des Handelns erhoben: der konzeptionelle Städtebau. Dabei gilt vorderhand, dass Errichtetes nicht in Stein gemeißelte Struktur sein muss, sondern der urbane Raum fortwährenden Entwicklungen unterworfen ist. So spricht man auch nicht von Stadtteilen, sondern von "Zimmern", deren Möblierung als Prozess verstanden wird und die zusammen den Wohnraum Zürich ergeben.
Städtebauliche Thesen
Im Linzer Architekturforum gastiert die Wanderausstellung Das siebte Zimmer, mit der sowohl das Zürcher Beispiel als auch allgemeine städtebauliche Thesen transportiert werden. Vom Hauptbahnhof als Entrée und Drehscheibe über die Arbeitsräume der Stadt bis hin zu neu zu definierenden Randlagen wird dabei eine prozessorientierte Planung sichtbar. Im Informationsgehalt zurückhaltend, jedoch präzise, betont die Ausstellung vor allem das visuelle Erleben des Stadtraums. Betritt man die Zimmer (Kojen), so betritt man zugleich die Straßen Zürichs; Panoramafotos versetzen den Besucher direkt in die Bezirke. Und an den Außenwänden prangt ein wunderbar relativierender Stempel des Zürcher Amts für Städtebau: "Gültig, bis ein besserer Vorschlag vorliegt". (wo, DER STANDARD/Printausgabe, 7.4.2009)