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Museum moderner Kunst/Stiftung Wörlen, Passau: "Lost Eight. Franz West" - Noch bis 5. Dezember zu sehen

Die vorprogrammierte Kontroverse des Meisters der Kollaboration

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Installation und Performance aber auch das Thema Ironie beschäftigen den international bekanntesten österreichischen Vertreter eines neuen Skulpturbegriffs - Franz West - bereits seit Jahrzehnten. Dem 57-jährigen Künstler ist im Passauer Museum moderner Kunst/Stiftung Wörlen noch bis 5. Dezember die retrospektive Schau "Lost Eight. Franz West" gewidmet.

Das österreichische Webverzeichnis! Im Haus sind etwa 50 Arbeiten ausgestellt, eine große Skulptur ist am nahe gelegenen Rathausplatz frei zugänglich. Die öffentlich ausgestellte Skulptur löste - erwartungsgemäß - kontroverse Debatten aus; ähnlich wie auch in Wien, als zur West-Ausstellung "Gnadenlos" im MAK die Wienfluss-Brücke und der Lueger-Platz mit seinen Skulpturen bestückt wurden. Die Kontroverse gehört einfach dazu, wenn es um das Werk des zweimaligen Documeta- und Biennale (in Venedig)-Beiträgers geht. Mit geradezu ironischem Genuss bricht er Tabus.
Bereits in den 80er Jahren hat West sinnliche (und "gestörte") Körperphantasien in seine aus Draht und Gips gefertigten "Passstücke" integriert. Heute noch bieten sie dem Publikum die Möglichkeit, sich diese Verlängerungen und Verquerungen (West: "Sinnesprothesen") an den Körper anzubauen und damit spazieren zu gehen. Die wandelnde Skulptur ist dabei natürlich auch die sarkastische Reaktion des "Nachgeborenen" der Generation der Wiener Aktionisten, die über Wests Interagieren natürlich nicht gerade amüsiert waren.
Parallel dazu hat der Künstler Collagen angefertigt und dabei Versatzstücke aus der Werbung, aus anderen Kunstformen, aus Wörtern und sogar seiner eigenen Malerei verwendet. Auch darin war er gekonnt "kunstlos" und fühlt sich eher einer "Ästhetik des Hässlichen" oder dem Zufall verpflichtet - wie etwa auch die oft grell bemalten oder beschütteten groben Oberflächen der weich anmutenden Gips- und Alu-Plastiken.
Im Lichthof des Museums steht eine jener großen Aluminiumskulpturen Wests und setzt gleich beim Eintreten Akzente. Auch als Möbeldesigner ist der ironische Meister Kollaborateur: Er arbeitet seit Jahren mit einem Stab an jüngeren Assistenten, die ihn einerseits inspirieren, andererseits einer eigenen Entwicklung innerhalb seiner Werkstatt folgen können. Das Kollektiv West zählt also außerdem zu jener avantgardistischen Strömung des "Teamworks" mit seiner Absage an den Geniebegriff. Wenngleich die "Marke West" natürlich trotzdem als Zugpferd erhalten bleibt.
Darum stellt das Passauer-Museum auch drei Mitarbeiter aus der West-Werkstatt mit ihren eigenen Arbeiten vor: Songül Boyraz, Heiri Häflinger und Franz Kapfer (alle um 1970 geboren) geben in Video und Malerei ihren Werkkommentar zum interaktiven Skulpturbegriff Wests.
In Passau findet man für den Anarchisten der neuen Skulptur einen besonderen Ansatz, der wie ich meine, einige Parallele zum Werk der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek aufweist: Es muss einem nicht sympathisch sein, aber es zeigt wesentliche Aspekte von Kunst und Leben unserer Gegenwart auf.

Erschienen am: 27.11.2004

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