Die Berufungskommission unterbreitete unlängst einen nicht gereihten Dreiervorschlag mit Lois Renner, Johanna Kandl und dem Kölner Maler Matthias Schaufler. Rektor Gerald Bast nahm bereits Verhandlungen mit Johanna Kandl auf: "Ich nehme an, dass wir uns einigen werden." Kandl soll einen Fünfjahresvertrag erhalten und die zusammengelegte Malereiklasse bereits im Herbst übernehmen. Bast gesteht ein, dass diese anfangs groß sein werde, "aber wenn man umstrukturiert, dann muss man irgendwo beginnen".
Für Kandl spreche, so der Rektor, dass sie "höchst aktuelle Tendenzen" vertrete, zudem "haben ihre Arbeiten einen sehr dezidiert sozialen Anspruch". Johanna Kandl (51) studierte von 1972 bis 1980 Malerei und Restaurieren an der Akademie der bildenden Künste. Aus ihrer Beschäftigung mit öffentlichen Räumen entstanden seit Ende der 80er Interventionen, Researches und kooperative Projekte, etwa mit einem Metall verarbeitenden Betrieb.
Weltläufigkeit
Im Zusammenhang mit künstlerischen und kuratorischen Projekten kam es zu zahlreichen Aufenthalten in Osteuropa und in der Sowjetunion, unter anderem in Georgien, Aserbaidschan, Ukraine, Russland, Polen, Rumänien, Litauen, Ex-Jugoslawien und Tschechien. Im November 1996 sorgte sie mit einer Aktion im öffentlichen Raum in Wien für Aufregung: Sie malte in der Herrengasse ein gelbes Kreidebild - und wurde von der Polizei verhaftet. Im Winter 2003/2004 vertrat sie mit der Ausstellung "Speaking in Public" Österreich auf der 9. Biennale in Kairo.
Keine Entscheidung ist bisher gefallen, wer die gegenwärtig vom Belgier Raf
Simons geleitete Modeklasse übernimmt. Einen bekannten Designer zu verpflichten
ist schwierig, das Interesse, nebenbei in Wien zu unterrichten, hält sich trotz
vieler Anfragen in engen Grenzen: Bast liegen lediglich sieben Bewerbungen vor,
darunter von Veronique Leroy und Veronique Branquinho. Helmut Lang und Muccia
Prada sagten ab, Ralf Simons würde auch künftig zur Verfügung stehen. Für die
Professur Industrial Design sind 20 Bewerbungen eingelangt, darunter von Fiona
Rabi, Werner Aisslinger, Axel Thallemer und Ross Lovegrove. Die Entscheidung
fällt in der zweiten Maihälfte.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.5.2005)