Tatsächlich erinnert die von „BWM Architekten & Partner“ und Grafiker Erwin Bauer vorbildlich und abwechslungsreich gestaltete Schau in ihrer Materialfülle an frühere Künstlerhaus-Großausstellungen wie „Traum und Wirklichkeit“ und „Die Türken vor Wien“: Anhand von rund 1.800 Objekten versucht Kos mit einem Budget von rund einer Mio. Euro auf 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Zeit um 1930 - als ungefährer Rahmen dienen 1927 (Justizpalastbrand) und 1934 (Bürgerkrieg) - aus verschiedensten kultur-, alltags-, sozial- und zeitgeschichtlichen Perspektiven zu beleuchten.
Die tiefen Gräben, die Kos in der Zeit ortet, werden in vielen Aspekten behandelt, doch wo die Fronten im Kampf „Asphalt gegen Scholle, Wurzeln gegen Beweglichkeit, urban gegen anti-urban, Emanzipatives, Freies, Selbstbestimmtes gegen die Abwehrhaltung der konservativen, katholischen Seite“ (Kos) genau verliefen, ist nicht immer eindeutig festzumachen.
„Der Besucher soll sich ein assoziatives Ganzes erarbeiten“, wünscht sich Kos. Weil dies angesichts der Vielzahl an Fotos, Filmen, Plakaten, Alltagsobjekten, Kunstwerken, Dokumenten und Modellen seine Zeit braucht, bietet das Wien Museum erstmals einen „Zweitbesuch“ der Schau zum halben Preis an.
© SN/SW

