Ikonen vor dem Fall

Rodney Grahams ironischer Umgang mit Werken von Richard Wagner und Friedrich II.


Er ist einer der wenigen Universalgelehrten die es heute noch gibt. Er setzt sich mit der Geschichte des Kinos, mit Klassischer Musik, Popmusik, Musikgeschichte, Literatur, Psychoanalyse und Fotografie auseinander. Und er kommt dabei zu sinnlichen, humorvollen künstlerischen Lösungen. Die Rede ist von Rodney Graham, dem 1949 in Kanada geborenen Künstler, der in Vancouver lebt und arbeitet.

Eröffnungskonzert

Parsifal - Transformation Music, 1989 / ©Bild: Rodney Graham
Parsifal - Transformation Music, 1989 / ©Bild: Rodney Graham

Für die Kunsthalle Zürich hat sich Graham etwas besonderes ausgedacht. Am Eröffnungsabend stellt er sein viertes Musikalbum "Music for the Very Old" in einem Konzert als Sänger und Gitarrist vor. Acht Konzerte werden während der Ausstellungszeit mit seinen "Parsifal Kompositionen" aufgeführt.

Launenhafter Richard Wagner

Die Parsifal-Idee Grahams beruht auf einem Ereignis während der Parsifal Uraufführung in Baryeuth 1882 stattfand. Um das Bühnenbild zu verändern, das Parsifal auf dem Weg zum Gral begleitet, waren vier Minuten längere Musik notwendig. Richard Wagner weigerte sich diese zu komponieren. So sprang sein Assistent der Komponist Engelbert Humperdick ein, und entnahm aus dem Musikstück einige Takte die dem Orchester einen Loop zurück in die Partitur für die Dauer des Bühnenbildwechsels ermöglichten.

Grahams Endlosvariation

Mit diesen Takten entwickelte Graham ein Kompositionssystem, das zwar nach einer gewissen Zeit endet, aber nie ein Mensch vollständig zu hören bekommen wird. Graham trennte die einzelnen Stimmen und Pausen. Jede Stimme wird wiederholt. Aber da die Sequenzen von 4 Sekunden bis 4 Minuten reichen, entstehen unendliche Kombinationsmöglichkeiten. Nach 39 Milliarden Jahren treffen alle Stimmen wieder zusammen.

Derartige Spielerein mit Systemen, die dem Menschen seine Endlichkeit und auch die Endlichkeit seiner Kunst vorführt sind Grahams Spezialität.

The King's Part

Eine ironische Entthronung von mächtigen Figuren aus Geschichte und Kunst führte er auch in der Kunsthalle Wien 1999 geschickt vor. In seiner Arbeit "The King's Part" griff er das Thema des flötenspielenden Königs Friedrich II in Sanssouci auf. In einem über eine fahrbare Gangway erreichbaren schalldichten Kubus konnte man dem Öffnen und Schließen von Flötenklappen lauschen, die das Stück Friedrich II nachspielten. Die Musik war dem Geräusch gewichen. Aufgenommen wurde diese Persiflage in einem schalltoten Raum der Universität British Columbia.

Link: Kunsthalle Zürich

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