| Ikonen vor dem Fall | |
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Rodney Grahams ironischer Umgang mit Werken von Richard Wagner und Friedrich II. |
Er ist einer der wenigen
Universalgelehrten die es heute noch gibt. Er setzt sich mit der
Geschichte des Kinos, mit Klassischer Musik, Popmusik, Musikgeschichte,
Literatur, Psychoanalyse und Fotografie auseinander. Und er kommt dabei zu
sinnlichen, humorvollen künstlerischen Lösungen. Die Rede ist von Rodney
Graham, dem 1949 in Kanada geborenen Künstler, der in Vancouver lebt und
arbeitet. Eröffnungskonzert
Für die Kunsthalle Zürich hat sich Graham etwas besonderes ausgedacht.
Am Eröffnungsabend stellt er sein viertes Musikalbum "Music for the Very
Old" in einem Konzert als Sänger und Gitarrist vor. Acht Konzerte werden
während der Ausstellungszeit mit seinen "Parsifal Kompositionen"
aufgeführt. Launenhafter Richard Wagner Die Parsifal-Idee Grahams beruht auf einem Ereignis während der
Parsifal Uraufführung in Baryeuth 1882 stattfand. Um das Bühnenbild zu
verändern, das Parsifal auf dem Weg zum Gral begleitet, waren vier Minuten
längere Musik notwendig. Richard Wagner weigerte sich diese zu
komponieren. So sprang sein Assistent der Komponist Engelbert Humperdick
ein, und entnahm aus dem Musikstück einige Takte die dem Orchester einen
Loop zurück in die Partitur für die Dauer des Bühnenbildwechsels
ermöglichten. Grahams Endlosvariation Mit diesen Takten entwickelte Graham ein Kompositionssystem, das zwar
nach einer gewissen Zeit endet, aber nie ein Mensch vollständig zu hören
bekommen wird. Graham trennte die einzelnen Stimmen und Pausen. Jede
Stimme wird wiederholt. Aber da die Sequenzen von 4 Sekunden bis 4 Minuten
reichen, entstehen unendliche Kombinationsmöglichkeiten. Nach 39
Milliarden Jahren treffen alle Stimmen wieder zusammen. Derartige Spielerein mit Systemen, die dem Menschen seine Endlichkeit
und auch die Endlichkeit seiner Kunst vorführt sind Grahams
Spezialität. The King's Part Eine ironische Entthronung von mächtigen Figuren aus Geschichte und
Kunst führte er auch in der Kunsthalle Wien 1999 geschickt vor. In seiner
Arbeit "The King's Part" griff er das Thema des flötenspielenden Königs
Friedrich II in Sanssouci auf. In einem über eine fahrbare Gangway
erreichbaren schalldichten Kubus konnte man dem Öffnen und Schließen von
Flötenklappen lauschen, die das Stück Friedrich II nachspielten. Die Musik
war dem Geräusch gewichen. Aufgenommen wurde diese Persiflage in einem
schalltoten Raum der Universität British Columbia. Link: Kunsthalle Zürich | ||||