Ein Schloss für die Kunst

Das Spiel mit den Wirklichkeiten zieht sich als Thema durch den Kunstraum Schloss Buchberg. Der Hausherr heißt Dieter Bogner.
Von Sabine Oppolzer.


In dem verwinkelten Gebäude, das seine jetzige Form im Laufe von acht Jahrhunderten angenommen hat, weiß man nie, ob man die Orientierung verloren hat oder nicht. Öffnet man eine Türe im ersten Geschoß, steht man plötzlich in einer Wiese. Wenn man diese überquert, gelangt man in den geräumigen Dachboden. Kurz, es handelt sich um gewachsene Strukturen, die keiner ersichtlichen Logik folgen und damit eine große Anziehungskraft auf die Künstler ausüben, die hierher ins Kamptal kommen.

Zum Beispiel Dan Graham

Den amerikanischen Künstler Dan Graham inspirierte ein verwilderter Ziergarten in einem der Burghöfe zu einem ungewöhnlichen Spiegelglaspavillon. Den Grundriss dieser Installation, die während der Waldheimära hier entstand, bildet ein Davidstern.

Star of David Pavillon von Dan Graham
Star of David Pavillon von Dan Graham

Graham verwendete halb verspiegeltes Glas. "Diese Ecke hier scheint echt zu sein, ist aber nur virtuell. Es ist eine gebaute Virtualität." freut sich Dieter Bogner. "Da, wo ich gerade stehe, bin ich mit einem Fuß drinnen und draußen zugleich."

Vielfältige Annäherungen

Künstler aus Amerika und Europa haben hier ihre Kunstwerke hinterlassen. Gleich neben dem Spiegelglaspavillon entsteht eine Pergola, die Heimo Zobernig als Konzeptarbeit wiederherstellen will.

Im Inneren des Gebäudes haben die Räume mit ihrer zurückhaltenden Erscheinungsform die Künstler inspiriert. So wählte Tomas Kaminsky einen vermauerten ehemaligen Durchgang für seinen Farbschacht, in dem Spiegel an Decke und Boden unendliche Höhen und Tiefen simulieren.

Jeder Raum hat nicht nur seine eigenwillige Erscheinungsform, sondern auch seine eigene Geschichte. Francois Morellet thematisierte zum Beispiel einen alten Mauerriss, indem er ihn einrahmte. Um die Eigenheiten der einzelnen Räume auf sich wirken zu lassen, bleiben viele der Künstler mehrere Wochen lang im Schloss Buchberg zu Gast.

Ortsbezogene Arbeiten

"Die meisten Arbeiten sind nicht entfernbar, sondern sind Teil der Gebäudestruktur geworden und wenn man ein Objekt aus dem Gebäude entfernt, dann ist es nicht mehr diese Arbeit", stellt Dieter Bogner fest. In Schloss Buchberg haben die meisten Raume nur diese eine Funktion, Kunst zu beherbergen.

Als Dieter Bogners Vater das Anwesen in den 60er Jahren erwarb, waren Schlösser billig. Oft wechselten sie um einen symbolischen Schilling den Besitzer. Auch Schloss Buchberg war nur eine Draufgabe zu dem Wald, den Familie Bogner damals kaufte. Erst in den 70er Jahren begannen Dieter und Gertraud Bogner, sich um das Schloss zu kümmern und ließen 1997 die erste Rauminstallation anfertigen.

Exklusive Programatik

Die Künstler kommen über Freunde, werden Freunde oder sind Freunde des Ehepaares. Oft dauert es Jahre bis ein Kunstwerk fertig ist. Es gibt kein Konzept in der Vorgangsweise, aber doch einen programmatischen Kern: "Nicht-expressiv, nicht-aktionistisch, nicht kitischig. Es ist die andere Seite der österreichischen Kunst und Kultur, die analytische Welt eines Loos oder Freud oder Josef Matthias Hauer oder Otto Neurath. Dieses konzeptuelle Denken war der große Beitrag Österreichs zum 20. Jahrhundert", stellt der Schlossherr programmatisch fest.

Die Kunstwerke sind vielfältig: Es gibt das Österreich-Zimmer von Peter Weibl, in dem sich über alle Möbel gepinselte Farbflecken in einem Videoschirm als Fragezeichen entpuppen. Monika Brandmeier bezieht ihre Installation "sehr/ sehr raumkonzept." auf das ungewöhnliche Verhältnis zwischen Volumen und Mauerstärke. Zentrale Frage ist immer, wie das Neue in die Altsubstanz eingefügt wird. Einige Räume wurden von den Künstlern unter Denkmalschutz gestellt, "um jede denkmalgerechte Restaurierung zu verhindern, weil dieser abgeriebene, verwitterte Zustand unglaubliche malerische Qualität hervorbringt, die man nicht restaurieren kann", wie Dieter Bogner erklärt.

Schloss Buchberg ist ein lebendiger Kunstraum, der sich ständig verändert. Hier hat sich Dieter Bogner eine "private Öffentlichkeit" geschaffen, wie er es nennt, in der er sich auf sehr ungewöhnliche Weise mit Kunst und Künstlern umgibt.

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