Die "Malerin zwischen Wien und London" war
bis vor kurzem vielen vor allem als Geliebte des Nobelpreisträgers
Elias Canetti bekannt. Doch nach Ausstellungen in der Secession 1966
und 1994 im Belvedere, zeigt eine Schau zu ihrem 100. Geburtstag im
Wien Museum, dass sie eine der besten Malerinnen des 20. Jahrhunderts
war.
Marie-Louise von Motesiczky (1906-1996),
verwandt mit Wiener Familien wie den Liebens oder Todescos, kam als
14-Jährige durch die Begegnung mit Max Beckmann in ihrem Elternhaus zur
Malerei. Ihre Großmutter war die erste Patientin Sigmund Freuds und
malte. Der Vater musizierte mit Johannes Brahms, Hugo von Hofmannsthal
liebte ihre Mutter Henriette.
Erste Personale 1936
Nach Absolvieren einiger Privatakademien und einem Studium bei
Beckmann in Frankfurt 1928/29 wurde ihre mögliche Karriere durch die
Vertreibung 1938 erschwert, obwohl sie in ihrer Zwischenstation Den
Haag bereits 1936 eine Personale hatte. Trotz der Kontakte in London zu
Oskar Kokoschka, Ernst Gombrich, Hilde Spiel und zu dem von ihr
unterstützten "Hauptgott", Elias Canetti, war sie von der Kunstszene
isoliert. Sie malte das Leben mit den wenigen Gefährten, vor allem
ihrer Mutter, die in einem Gedicht von der "Welt, die uns betrog"
spricht; ihr Bruder Karl, Widerstandskämpfer und Manager des Dichters
Heimito von Doderer, wurde inhaftiert und 1943 in Auschwitz ermordet.
Die hohe Begabung fand zwar Anerkennung durch Gombrich und Canetti,
wurde aber allzu lange in die Nähe von Beckmann und Kokoschka gerückt,
die sie beeinflussten.
Wie beide lehnte sie die Abstraktion und radikale Avantgarde ab und
entwickelte einen eigenwilligen, erst durch die Postmoderne geschätzten
expressiven Stil mit traumhaft-surrealen Elementen.
Die "Mutterbilder" sprechen von einer liebevollen Symbiose bis zu
deren Tod, die Porträts von Canetti sind spannungsgeladen wie die für
sie "katastrophale" lebenslange Beziehung zu diesem Mann. Ihr Haus in
Hampstead beherbergte seine Bibliothek und er schrieb dort "Masse und
Macht", verheiratet war er mit anderen.
Die etwa 70 Bilder sind neben biografischen Dokumenten, Briefe und
Fotos, auf die Wiener Bezüge gewichtet, zeigen aber auch die wichtigen
Selbstbildnisse, Stillleben und Landschaften, die zum Großteil vom
Marie-Louise von Motesiczky Charitable Trust betreut werden.
Die Tour von der Tate Liverpool über Frankfurt und Wien um den 100.
Geburtstag erinnert nicht nur an Hilde Spiels Charakterisierung des
"löwenmutigen Fräuleins aus gutem Hause", sondern ist wie der "Wiener
Kinetismus" eine notwendige Neusichtung der Wiener Moderne.
Who is Marie-Louise von Motesiczky?
Malerin zwischen Wien und London
Wien Museum
Kuratorin: Ursula Storch
Bis 20. Mai
Feinsinnig.
Donnerstag, 08. März 2007