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Kunstberichte

Malerin und Geliebte

Ausstellung zum 100. Geburtstag von Marie-Louise von Motesiczky
Illustration
- Marie-Louise von Motesiczky im „Selbstporträt mit Strohhut“ aus dem Jahr 1937.  Foto: Motesiczky Charitable Trust

Marie-Louise von Motesiczky im „Selbstporträt mit Strohhut“ aus dem Jahr 1937. Foto: Motesiczky Charitable Trust

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Die "Malerin zwischen Wien und London" war bis vor kurzem vielen vor allem als Geliebte des Nobelpreisträgers Elias Canetti bekannt. Doch nach Ausstellungen in der Secession 1966 und 1994 im Belvedere, zeigt eine Schau zu ihrem 100. Geburtstag im Wien Museum, dass sie eine der besten Malerinnen des 20. Jahrhunderts war.

Marie-Louise von Motesiczky (1906-1996), verwandt mit Wiener Familien wie den Liebens oder Todescos, kam als 14-Jährige durch die Begegnung mit Max Beckmann in ihrem Elternhaus zur Malerei. Ihre Großmutter war die erste Patientin Sigmund Freuds und malte. Der Vater musizierte mit Johannes Brahms, Hugo von Hofmannsthal liebte ihre Mutter Henriette.

Erste Personale 1936

Nach Absolvieren einiger Privatakademien und einem Studium bei Beckmann in Frankfurt 1928/29 wurde ihre mögliche Karriere durch die Vertreibung 1938 erschwert, obwohl sie in ihrer Zwischenstation Den Haag bereits 1936 eine Personale hatte. Trotz der Kontakte in London zu Oskar Kokoschka, Ernst Gombrich, Hilde Spiel und zu dem von ihr unterstützten "Hauptgott", Elias Canetti, war sie von der Kunstszene isoliert. Sie malte das Leben mit den wenigen Gefährten, vor allem ihrer Mutter, die in einem Gedicht von der "Welt, die uns betrog" spricht; ihr Bruder Karl, Widerstandskämpfer und Manager des Dichters Heimito von Doderer, wurde inhaftiert und 1943 in Auschwitz ermordet.

Die hohe Begabung fand zwar Anerkennung durch Gombrich und Canetti, wurde aber allzu lange in die Nähe von Beckmann und Kokoschka gerückt, die sie beeinflussten.

Wie beide lehnte sie die Abstraktion und radikale Avantgarde ab und entwickelte einen eigenwilligen, erst durch die Postmoderne geschätzten expressiven Stil mit traumhaft-surrealen Elementen.

Die "Mutterbilder" sprechen von einer liebevollen Symbiose bis zu deren Tod, die Porträts von Canetti sind spannungsgeladen wie die für sie "katastrophale" lebenslange Beziehung zu diesem Mann. Ihr Haus in Hampstead beherbergte seine Bibliothek und er schrieb dort "Masse und Macht", verheiratet war er mit anderen.

Die etwa 70 Bilder sind neben biografischen Dokumenten, Briefe und Fotos, auf die Wiener Bezüge gewichtet, zeigen aber auch die wichtigen Selbstbildnisse, Stillleben und Landschaften, die zum Großteil vom Marie-Louise von Motesiczky Charitable Trust betreut werden.

Die Tour von der Tate Liverpool über Frankfurt und Wien um den 100. Geburtstag erinnert nicht nur an Hilde Spiels Charakterisierung des "löwenmutigen Fräuleins aus gutem Hause", sondern ist wie der "Wiener Kinetismus" eine notwendige Neusichtung der Wiener Moderne.

Who is Marie-Louise von Motesiczky?
Malerin zwischen Wien und London

Wien Museum

Kuratorin: Ursula Storch

Bis 20. Mai

Feinsinnig.

Donnerstag, 08. März 2007


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