Der Prinz und die Müllhalde
Fotokunst. Hubertus von Hohenlohe erklomm mit seiner Kamera Altpapierberge und fand eine Ästhetik im Müll. Zu sehen in der Leica Galerie.
OTHMAR BEHR SALZBURG-STADT (SN). Mit der Kamera auf Müllberge klettern und bedrucktes Papier ablichten – wird das zur Kritik an der Wegwerfgesellschaft? „Das Gegenteil ist der Fall. Es geht um die Schönheit in dieser Wegwerfgesellschaft und das ist gar kein Widerspruch. Wird bewusst weggeworfen, so entsteht Neues daraus. Das ist wie der Zyklus des Lebens“, sagt Hubertus von Hohenlohe.
Mittwoch wurden in der Leica Galerie (Mirabellplatz 8) dicke Schrauben in die Wand gedübelt. Der Prinz mit der schillernden Vita als Skirennfahrer, Popsänger und Künstler probiert verschiedene Reihenfolgen der Präsentation seiner Bilder aus. Hohenlohe: „Ich muss erst sehen, wie die Wirkung ist. Es sind neue Arbeiten, die noch nie gezeigt wurden.“ Heute, Donnerstag, wird die Ausstellung um 17 Uhr eröffnet. Sie läuft bis zum 30. September.
Das Weggeworfene an sich und das Zufällige, das bei der Stapelung von Altpapier entsteht – das war Hohenlohes Leitmotiv beim Fotografieren. Erste Studien auf Müllhalden machte er Ende 2008 in Italien („Die Leute haben mich für verrückt gehalten“), dann vertiefte er sich weiter in das Thema.
Die Mehrzahl der Werke entstand auf dem Gelände einer Kartonagenfabrik nördlich von Graz in Frohnleiten. Das Papier lag zur Wiederverwertung bereit. Wo Zeitungen und Zeitschriften gestapelt sind, lassen sich Schlagzeilen entziffern. Themen hat Hohenlohe aber nicht bewusst ausgewählt. „Die Worte, die auf den Bildern zu lesen sind, die haben sich einfach so ergeben“, erläutert der Prinz, „es ist mir nur darum gegangen, Ausschnitte festzuhalten, die eine Ästhetik widerspiegeln. Es gibt Kunst, die schockiert. Ich suche das Schöne. Auch auf Müllhalden.“
Bei der Frage, ob er die digitale oder die analoge Fotografie bevorzuge, muss Hohenlohe nicht lang nachdenken: „Digital, weil ich das Ergebnis gleich sehen kann. Ohne Digitalfotografie wäre ich kein Fotokünstler geworden. Die Kamera ist für mich ein Arbeitsgerät, das möglichst einfach zu bedienen sein soll. Das Motiv ist wichtig, nicht die Kameratechnik. Das meiste mache ich mit der Automatikfunktion. Bei der analogen Fotografie haben pitzelige Leute, also die Streber Vorteile. Diese haben sie nun verloren. Das Digitale hat die Fotografie demokratischer gemacht.“
Ein Gespräch mit Hubertus von Hohenlohe ohne das Thema Skisport wäre eine halbe Sache. „Sicher möchte ich 2010 bei den Olympischen Spielen in Vancouver an den Start gehen“, sagt der Mann, der im Februar 50 Jahre alt geworden ist und dem 2006 für Turin die Funktionäre seines Geburtslandes Mexiko die Zustimmung verweigert hatten, „was hat Sportlichkeit mit dem Alter zu tun?“












