diepresse.com
zurück | drucken
22.05.2002 - Ausstellung
AUSGESTELLT IN WIEN von JOHANNA HOFLEITNER


Galerie Kerstin Engholm. Eine Phototetralogie des 1976 verschollenen Bas Jan Ader zeigt die Schau "Hinterlands". "On the road to a new neoplasticism" dokumentiert eine Performance, bei der sich Ader auf den Asphalt legte. Mit jedem Bild kommt ein farbiger Gegenstand mehr dazu, bis die Szenerie in eine Geometrie à la Mondrian kippt. Ader und die Post-Pop-Ära sind Referenzpunkt für drei Künstler, die den "Konstruktivitätscharakter von Subjektivität" untersuchen. Am überzeugendsten gelingt dies Stefan Sandner mit seiner Wandschriftarbeit "Ask Bob". Spannung erzeugen auch Matti Brauns Spiegelquader, während sich Daniel Pflumms "Tick Tack"-Box der Faszination der Oberfläche nicht entziehen kann. Eine didaktische Schau mit viel ästhetischem Gehalt! (IV., Schleifmühlgasse 3; bis 29. Juni).
Klaus Engelhorn 20. Ein Diplom bei den Düsseldorfer Konzeptualisten Bernd & Hilla Becher ist für einen jungen Photographen fast die halbe Miete - aber auch eine Bürde. Das lehren einmal mehr die "Hallen und Logos" Frank Breuers.

Mit dem Titel ist auch Breuers Thema umrissen: das konsequente Durchforsten der Industriearchitektur im Zeitalter der Corporate Identities. Das Resultat ist eine üppige Serie über Firmensignets. Übermächtig wie Denkmäler stehen sie in der Ödnis und ehren Marlboro, Shell, Ford, Mercedes & Co. Die Konsequenz erschöpft sich allerdings rasch in Redundanz. Interessanter sind dagegen seine Hallen-Aufnahmen. Die Anonymität und Funktionalität der Bauten lenkt hier hin zu fundamentalen Bildeigenschaften wie Komposition, Farbe, Struktur (I., Stubenring 20; bis 8. Juni). Kunsthandel Elisabeth Michitsch. Seit die geometrischen Bilder der Hildegard Joos kürzlich in der Wiener Secession im Zusammenhang einer Ausstellung junger Malerei zu Recht viel Aufmerksamkeit einheimsten, geht man in eine Retrospektive von H + H Joos anders, vielleicht neugieriger, gewiß aber mit unverstellterem Blick. Und sucht in den gemeinsam mit ihrem Mann Harold erarbeiteten Bildern das spezifisch Malerische, aber auch das Eigene der Malerin. Zu finden ist es in den kleinen "Farbigen Konstruktionen": diese befragen teils in Hoffmannscher Strenge, teils mit Delaunayscher Leichtigkeit die Malerei auf ihr Ureigenstes womit sie spannender sind als andere Arbeiten, die in ihrem Streben nach modernistischer Poesie meist allzu verspielt ausfallen (I., Spiegelgasse 15; bis 26. Juni).



© Die Presse | Wien