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| MAK-Jahresvorschau 2003: Museum als
"Fluchtpunkt" Eine Vorjahres-Bilanz über den "täglichen Kampf, eine Aura zu schaffen", in der ein neuer Blick auf Kunst ermöglicht wird, und einen Ausblick auf die Aktivitäten des Wiener Museums für Angewandte Kunst (MAK) für 2003 gab am Dienstag MAK-Direktor Peter Noever. Wien (APA) - Angesichts "größter Schwierigkeiten finanzieller Natur" - "für alle Ausstellungen 2003 haben wir eine Million Euro, und null Ankaufsbudget" - konnte Noever dennoch auf ein vielfältiges Ausstellungsvorhaben mit Schwerpunkt Architektur, die Neueröffnung des "MAK Design Space" sowie u. a. eine Initiative für das Rudolph M. Schindler-Haus in Los Angeles verweisen.Das Museum sei ein "Fluchtpunkt", an dem man "vor dem Lärm der Welt gerettet ist", so Noever. "Gerade in Zeiten eines 'Clash der Kulturen'" sei es wichtig, darauf zu verweisen, dass das MAK "kein Antiquitätenladen", sondern ein Ort der Kunstproduktion sei. Angesichts des drohenden Irak-Krieges ist es Noever ein "besonderes Anliegen", den vergriffenen Katalog "Donald Judd. Architektur" neu aufzulegen (erhältlich noch im Februar). In diesem hatte der mittlerweile verstorbene Architekt während des Golfkrieges 1991 gegen den damaligen Aufmarsch der US-Streitkräfte ein "pazifistisches Manifest" verfasst. "Es ist eine Ironie der Geschichte, dass wir heute wieder an diesem Punkt angelangt sind", so Noever. 2002 stiegen im MAK die Besucherzahlen von 161.428 (2001) auf 170.738. Das Gesamtbudget betrug rund 9,6 Mio. Euro, davon flossen 1,69 Mio. Euro ins Ausstellungsprogramm (2001: 1,85 Mio, Euro). Für die finanzielle Zukunft des MAK ist "der Adressat abhanden gekommen", bezog sich Noever auf die noch andauernde Regierungsbildung. Dennoch ortete er "großes Verständnis" und hoffte nach "Beendigung des Vakuums" auf ein "vernünftiges Gespräch". Derzeit sei das MAK wie ein "Dampfer, der sich zwar bewegt, aber nicht wirklich manövrierbar ist". Fixpunkte auf der Route des MAK-Dampfers sind 2003 "Der Preis der Schönheit" (26. 11. 2003 bis 29. 2. 2004), eine u. a. von Heimo Zobernig erarbeitete Ausstellung zum 100. Geburtstag der Wiener Werkstätten. Damit werde der programmatische MAK-Ansatz, die eigenen Sammlungsbestände durch den "kritischen Blick" zeitgenössische Künstler in neues Licht rücken zu lassen, fortgesetzt. Personalen sind Otto Muehl ("Das Leben ein Kunstwerk", 3. 12. 2003 bis 7. 3. 2004) und Kurt Kocherscheidt ("Das fortlaufende Bild", 25. 6. bis 5. 10.) gewidmet. Im Schwerpunkt zu zeitgenössischer und experimenteller Architektur gibt es die eigentlich schon im Vorjahr geplante Schau zu Zaha Hadid (14. 5. bis 17. 8.) sowie Ausstellungen mit Werken der Wiener Neo-Professoren Greg Lynn ("Intricate Surface", 10. 9. bis 23. 11.) und Farshid Moussavi (gemeinsam mit ihrem Büro-Partner Alejandro Zaera-Polo als "Foreign Office Architects", 21. 5. bis 3. 8.). Eröffnet wird der Architektur-Themenkomplex schon heute mit der Ausstellung "Blue Universe" von Gerald Zugmann, die die Beschäftigung des Fotografen mit dem Architektenduo Coop Himmelb(l)au dokumentiert (bis 21. 4.). Das MAK plant die "geistige Besetzung" eines Grundstückes in L. A.: In unmittelbarer Nachbarschaft des historischen und architektonisch wichtigen Wohn-/Studiohauses des in Österreich geborenen Architekten Rudolph M. Schindler, in dem die L. A.-Dependance des MAK untergebracht ist, sollen rund zwanzig Eigentumswohnungen entstehen. Durch die Störung des gerade beim Schindler-Bau wichtigen Verhältnisses von Innen und Außen werde die "Aura zerstört und das Haus im wesentlichen beschädigt", so Noever. "Wir werden diesen Ort geistig besetzen". Rund 50 Architekten aus aller Welt wurden eingeladen, Alternativpläne für die Bebauung des Nachbargrundstückes zu erstellen. Eine Jury unter dem Vorsitz von Star-Architekt Frank Gehry wird zehn Beiträge auswählen, die in einer Schau im Schindler-Haus zu sehen sein werden. Noever verlangte ein "Minimum an Respekt" auch für die "Aura" der Umgebung wichtiger Bauten, wie u. a. auch beim Palais Stoclet in Brüssel, auf dessen gefährdete Bausubstanz das MAK in einer eigenen Schau hingewiesen hat. Neben Erkenntnissen aus 17 Jahren Museumsarbeit, so das Motto des Pressegespräches, präsentierte Noever auch ein neues, architekturbezogenes Sammlungssegment. Im "Haus des Seins" sollen Häuser von Künstlern und Architekten als jene Orte erfasst werden, an denen diese selbst ihr Ideal des Alltags zu verwirklichen versuchen. Angekauft werden sollen Skizzen, Modelle oder sogar fertige Objekte. "Eine Sammlung, ohne zu sammeln, ist natürlich keine Sammlung", so Noever, der im Rahmen des Pressegespräches diejenigen Donationen präsentieren ließ, die aus der vorjährigen "S.O.S"-Ausstellung des MAK hervorgingen. In dieser hatte das MAK seinen "Ankaufswunschzettel" präsentiert und um Schenkungen ersucht. Im März wird in der ehemaligen MAK-Buchhandlung der "MAK Design Space" eröffnet, eine auf kommerzieller Basis mietbare Fläche, wo Designer und Modeschöpfer für kurze Zeit ("ein bis zwei Wochen", so Direktor Peter Noever) ihre Arbeiten präsentieren können. Mit seiner "Momentaufnahme" dessen, was derzeit im MAK passiert und geplant wird, legte Noever ein "Bekenntnis zur Komplexität und Vielschichtigkeit, aber auch zur Ambivalenz" seines Hauses ab. "Wir haben Positionen wie die Künstlergruppe Gelatin oder Bruno Gironcoli viel früher zum Durchbruch verholfen", das Budget stehe "in keinem Verhältnis zu dem, was wir machen" (2002 gab es 25 Ausstellungen und 34 MAK Nites). Trotz "hoher Sponsoreneinnahmen" gibt es bei der Geldbeschaffung "Grenzen", für "Experimente und junge Künstler ist kein einziger Euro zu bekommen". Noevers Bilanz und Ausblick auf die Budgetverhandlungen mit der neuen Regierung: "Die Gesellschaft muss sich entscheiden, ob sie auf kulturelle Bewegung verzichten kann". 2003-02-04 14:07:41 |