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| 16.10.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kritik Ausstellung: Wespennest im White Cube | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Kleine Ausstellung ganz groß: Mit "Para Sites" lässt das Museum moderner Kunst seine Räume infiltrieren - und genießt es sichtlich. | ||
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Sie haben sich eingenistet. Im grauen Mumok-Block. Im windigen MQ- Hof. Sie nehmen uns sogar mutwillig einen ganzen Parkplatz auf der Mariahilfer Straße weg. Sie sind da, die "Para Sites". Leicht war diese Infiltration der hehren Museumsräume und des öffentlichen Raumes von jungen Künstlern nicht, weiß Manuela Ammer. Es ist das Ausstellungs-Debüt der 26-jährigen Nachwuchs-Kuratorin. Und ihre Chance nutzte sie so gewitzt wie professionell. Das dunkle unterste Geschoß des Hauses, die Factory, als
wohlige Keimzelle verwendend, lassen neun Künstler(gruppen) ihre
alternativen Räume und parasitären Systeme wachsen. Hier im abgrundtiefen
Graben wurde gleich einmal zugeschlagen in der Schausammlung des Wiener
Aktionismus, dieser patriarchalischen Kultstätte der österreichischen
Nachkriegs-Kunstgeschichte. Genüsslich besiedelten Carola Dertnig und Stefanie
Seibold, stellvertretend für alle museal unterrepräsentierten
Künstlerinnen, zwei der exklusiven Video-Kojen - ansonsten strictly for
men - mit ihren Arbeiten. Die gewöhnlich hier laufenden Aktionisten-Filme
wurden für die Zeit der "Para Sites" in die Mumok-Bibliothek mit ihren
limitierten Öffnungszeiten ausgesiedelt. Beschränkte Dauer hat auch der Dancefloor, den Jennifer Allora und Guillermo Calzadilla mit unfixierter Kohle auf den Boden zeichneten. Eine andere Dimension tut sich da unter unseren Füßen auf. Man geht über, tritt auf die zurückgeworfenen Köpfe und beschwingten Glieder von tanzendem Jungvolk, das fotorealistisch und aus der Vogelperspektive unter der vermeintlich schützenden Plastikfolie abtanzt. Nach ein paar Dutzend Betretern wird die ephemere Kohlezeichnung zur grauen Suppe verschwommen sein. An einem romantischen sozialen Gebilde basteln auch die
Israeli "Gil & Moti", die sich jetzt, nach ihrer Heirat in Holland vor
einigen Jahren, vorgenommen haben, sich zum Zweck der Völkerverbindung in
einen arabischen Mann zu verlieben. Hauptquartier in Sachen Liebe ist
zurzeit eben die Mumok-Factory, von wo aus die Internetforen nach willigen
schwulen Arabern durchforstet werden, E-Mail-Kontakt aufgenommen wird und
Porträts der Kandidaten aquarelliert werden. Für die Nacht ziehen "Gil
& Moti" dann ums Eck in die Galerie "Layr:Wuestenhagen" in der
Bellariastraße 6, wo sie sich seit einem Monat in Wien einquartierte
haben. Wohnlich eingerichtet haben sich auch schon Ward Shelley
und Douglas Paulson. Die beiden New Yorker kolonisieren die
Mumok-Schlucht, diesen ungenützten zentralen Schacht, mit einem riesigen
Wespennest. Einblicke in den von Heimo Zobernigs "White Cube" baumelnden
Kobel geben Web-Cams; die Bau-Fortschritte können übers Internet verfolgt
werden - und auch mit den "Einheimischen" soll in Kontakt getreten werden,
wurde angedroht. Weiters können ein Stück Wüste besiedelt, mit einem
Auto-Abdeckplanen-Gerüst Parkplätze okkupiert werden - und vor dem Mumok
steht eine Art 3-D-Röntgenbild des hermetischen Museums-Blocks, die
Anatomie eines Hauses mit Rohren, Lampen, Waschbecken von der Finnin Tea
Mäkipää -, die übrigens als bisher einzige europäische Künstlerin für die
Weltausstellung in Japan 2005 ein Projekt realisieren soll. Bis auf eine Ausnahme, einem verkomplizierten
Codierungs-Spiel mit den Mumok-Aufzügen, versammelt "Para Sites" starke,
originelle Einzelpositionen, die sich intelligent und durchwegs
unterhaltsam zu einem Ganzen fügen, ohne sich einem Über-Thema allzu
demütig unterordnen zu müssen. Bis 7. 11., Di.-So. 10-18 h, Do. 10-21 h. |
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