Salzburger Nachrichten am 8. Juni 2005 - Bereich: kultur
Elektronischer Spielplatz ohne Zaun Dritte Auflage: Zehn Tage lang bietet die "Schmiede05" in Hallein eine Plattform zur Kunst-Vernetzung

BERNHARD FLIEHERHALLEIN (SN). Im dritten Jahr ihres Bestehens erweitert die "Schmiede05" im alten Salinengebäude auf der Pernerinsel in Hallein ab morgen, Donnerstag, zehn Tage lang ihre Kreativitätszone.

Die "Schmiede05" ist ein Marktplatz, auf dem an digitalen Kunstformen gewerkt wird, der aber vor allem als Treffpunkt und Kommunikationsort für Künstler aus den Bereichen Audio, Video und Programming dienen soll. Da die meisten Felder im Bereich der digitalen Kunst "als Einzelerscheinung ziemlich ausgereizt" seien, liege der Focus jetzt darauf, "Möglichkeiten für eine Verknüpfung zwischen den Genres" zu bieten, sagte Philipp Wassibauer am Dienstag in einer Pressekonferenz in Hallein. Er und sein Bruder Rüdiger sind die Initiatoren der "Schmiede". Die Verknüpfung gelte dabei sowohl in ästhetischer Hinsicht als auch mit dem Blick auf ökonomische Verwertbarkeit des Geschaffenen.

Nach zwei Ausgaben, in denen das "Schmiede"-Angebot einen Lehrveranstaltungscharakter hatte, rückt heuer Projektarbeit in den Mittelpunkt.

Rund 200 Beteiligte aus 14 Nationen werden in Hallein zehn Tage lang in verschiedenen "Labors" an elektronischer Musik, Videos und auch an Strategien, wie ihr Werk die Öffentlichkeit erreichen soll, basteln. Erstmals ausgelotet werden in einem "performanceLab" in Kooperation mit der Sommerszene die Schnittmengen zwischen Ausdrucksmöglichkeiten der Digital-Welt und der Körperlichkeit von Tanz und Theater .

"Wir wollen in keinem der Labors Lehrer sein", sagt Rüdiger Wassibauer. "Wer jemandem etwas beibringt, sagt damit ja auch, dass das jetzt das Richtige ist." Dies wolle man sich nicht anmaßen. Vielmehr gehe es darum "eine Plattform für jene zu schaffen, die dann über Grenzen hinweg möglichst nachhaltig zusammenarbeiten". Darum gebe es auch keine "genau definierten Endzwecke, keine Deadlines, keinen ökonomischen Druck, irgendwas zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig haben zu müssen". Die "Schmiede05" soll einen "neutralen Raum schaffen, der ein weites Spektrum an künstlerischer Entfaltung ermöglicht und dabei den Blick auf die Welt jenseits des eigenen Computerschirms öffnet", sagte Rüdiger Wassibauer. Die Arbeiten sollen der Grundidee gleichen, die zur Schaffung der Schmiede geführt hat: "Wir wollten uns einen Spielplatz bauen."

Der elektronische Spielplatz wurde heuer um einen theoretischen Teil erweitert. In vier Symposien werden - unter anderem von Trägern des Alternativen Nobelpreises - Fragen wie "Consumer Responsibility", digitales Kulturerbe oder Urheberrechtsfragen im Netz und in Zeiten der lockeren Vervielfältigung von Kunst erörtert. Einige Ergebnisse aus den Kooperationen in den Labors werden Ende kommender Woche beim FocusOn-Festival (siehe Kasten links) präsentiert.