| Salzburger Nachrichten am 9. November 2005 - Bereich: Kultur
Mehr Kultur für Europa Ab 1. Jänner 2006 hat
Österreich wieder die Präsidentschaft im Europäischen Rat. Themen der
Kultur sollen dann eine besondere Rolle spielen.
WIEN (SN-mo). Das Präsidentschaftsland hat nicht nur die Aufgabe, sich
um den Ablauf der Agenden zu kümmern; es kann auch politische Akzente
setzen, die sein Halbjahr in diesem Amt prägen und dann nachwirken.
Österreich werde hier auch sein gutes Image als kulturbewusste Nation
einbringen, kündigte Kunststaatssekretär Franz Morak am Montag bei einem
Gespräch mit Pressevertretern in Wien an. Er stellte die Punkte des
"Arbeitsprogramms" vor, bei denen Österreich für die EU-Kulturpolitik
Fortschritte erzielen möchte. Es geht dabei um bereits bestehende
Förderprogramme der EU, die der "Internationalisierung" der Kultur und der
Mobilität der Kulturschaffenden dienen, die Stärkung eines EU-weiten
Filmgeschäfts sowie um das sensible Gebiet des "freien
Dienstleistungsverkehrs" von Fernsehdiensten. In diesem Zusammenhang werde Österreich auch einige Veranstaltungen ins
Land holen, berichtete Morak, beispielsweise ein "Europäisches Forum für
Architekturpolitik" in Wien am 8. und 9. Juni 2006, ein informelles
Treffen der Kulturbeauftragten des Europäischen Rates vom 5. bis 7. April
in Rust am Neusiedler See oder ein "Expertenseminar" im März über eine
europäische Strategie zu Gunsten der "Creative Industries". Ein großartiges Rahmenprogramm darf man nicht erwarten. "EU-Politik ist
Knochenarbeit", sagte Morak, und ein EU-Politiker sei am Abend meist
"ziemlich müde". Die für dieses Halbjahr vorgesehenen besonderen
Veranstaltungen beschränken sich auf eine Ausstellung der Wiener
Werkstätten im Palais des Beaux Arts in Brüssel, auf ein Konzert der
Wiener Philharmoniker am selben Ort, auf ein "zeitgenössisches
Tanzprojekt" in Kooperation mit den Wiener Festwochen sowie eine
Modenschau in Wien, an der junge Designer aus allen 25 Mitgliedstaaten
teilnehmen werden. Die Programme, die unter der österreichischen Präsidentschaft auf den
Weg gebracht werden sollen, dienen auch einem besseren EU-Bewusstsein bei
der Bevölkerung. Dazu gehört ein Programm "Bürger/-innen für Europa",
dessen erste Phase 2004 begonnen hat, Ende 2006 ausläuft und das mit einer
zweite Phase von 2007 bis 2013 fortgesetzt werden soll. 235 Millionen Euro
seien veranschlagt, sagte Morak, um die Zusammenarbeit zwischen
Bürgerinnen und Bürgern und den EU-Institutionen zu verbessern. Österreich
soll der "Geburtshelfer" der zweiten Phase sein. Ebenfalls die Nachfolge vorbereiten soll Österreich für "Kultur 2000",
das als "Kultur 2007" von 2007 bis 2013 laufen und einen Schwerpunkt auf
der Förderung der Mobilität von Kulturschaffenden und Kunstwerken sowie
auf der "Unterstützung des interkulturellen Dialogs" haben wird. Dazu soll
das Budget des Programms von veranschlagten 408 Millionen Euro auf 600
Millionen erhöht werden. Die "Mobilität" beziehe sich auf den leichteren
Austausch von Kunstwerken für Ausstellungen, präzisierte Morak. Besonders
engagieren werde sich Österreich auch für das Programm "Media 2007", mit
dem die EU die europäische Film- und Fernsehwirtschaft stärken will und
dafür von 2007 bis 2013 eine Milliarde Euro bereitstellen wird. "Europa
ist vielleicht nicht sexy", sagte Morak, "aber sehr wichtig". |