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15.03.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
Nymphen, Kokotten und Gattinnen
VON ALMUTH SPIEGLER
"Triumph der Schönheit". Die Kunsthalle Krems zeigt brav brave Salonmalerei.

F
ast hätte sie sich doch nicht in die Kremser Kunsthalle ergossen, Ilja Repins fantastische Unterwasservisi on mit ihren delikat dekorierten Nymphen, deren märchenhafte Prozession durch den türkisblauen Meeresgarten gerade einmal ein kecker Goldfisch zu unterbrechen wagt. Denn fast hätte das Staatliche russische Museum seine Prunkschinken des 19. Jahrhunderts doch nicht anreisen lassen, aus Furcht vor einer Wiederholung des Schweizer Präzedenzfalls von 2005, als Gemälde beschlagnahmt wurden, da Russland einer Firma schnödes Geld schuldete.

Nach einem ministeriellen Schreiben fuhr der Transporter im letzten Moment aber doch noch in die Kunstmeile Krems ein - und der "Triumph der Schönheit" war nicht mehr aufzuhalten. Kunsthallen-Chef Tayfun Belgin beleuchtet nach "Harem" mit der Salonmalerei - u. a. mit wunderbaren Leihgaben aus dem Petit Palais und dem Musée d'Orsay - eine weitere Facette der lang verfemten großbürgerlichen Repräsentierkunst des 19. Jahrhunderts.

Doch jeder Zeit ihre Kunst - auch aus überladenen Genreszenen, süßlichen Porträts, schwülstigen Akten und mythologisch verbrämtem Gischtgeplänkel kann, wenn schon nicht kunsthistorisch, dann durchaus aber kulturhistorisch Revolutionäres gelesen werden. Mit einer derart eklektizistischen Mischung aus Klassizismus und Romantik stellte sich in der positivistisch geprägten zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der zu neuem Reichtum gelangte Mittelstand dar, staffierte im Zeitalter der sich entwickelnden Fotografie mit technisch perfekter Malerei seine Belle Etagen aus: Bürgerlicher Realismus hieß das in Russland, Präraffaeliten in England, "pompiers" in Frankreich - Kitsch würde man dazu heute sagen und an die gerade grassierende neo-romantische Malerei-Wut denken.

Streng didaktisch nach Herkunft aus Russland, England, Frankreich und Österreich geordnet, wird man in Krems in die nationalen Nuancen eingeführt. Nur einmal wird diese Linie gebrochen, und zwar für den Malerfürsten des Wiener Historismus, Hans Makart, der als Einziger seiner kleinbiedermeierlichen Kollegen in der Riege der ausschweifenden französischen Salonmaler bestehen kann. Zwei seiner halbfigurigen Damenporträts flankieren mit zwei ebenso mittelformatigen Gattinnen-Bildnissen von Paul Baudry eine genüsslich in voller Länge von Carolus-Duran hingegossene Kokotte. Nur von wegen Zeichen der Zeit.

Alles fein hübsch säuberlich aufgearbeitet also in der Kunsthalle Krems. Und doch hätte man sich gerade bei diesem Thema etwas Wagemut in der Inszenierung gewünscht - weniger bei der gewöhnungsbedürftig kräftigen Wandfärbelung als bei der Hängung: Wenn schon Salon, warum dann nicht gleich die für diese Pariser Massenkultur-Veranstaltung typische St. Petersburger Hängung bis zur Decke? Dann wäre vielleicht auch die vergleichsweise Leere heutiger Museen aufgefallen: Wurden beim 1887 abgehaltenen Pariser Salon doch unglaubliche 562.000 Besucher gezählt.

Bis 30. Juli. Tägl. 10-18 Uhr.

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