Wiener Zeitung · Archiv


Kunstberichte

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Illustration

DNA ist ansteckend!

(cai) Endlich gibt es einen neuen Ismus in der Kunst: den "Gagaismus". Auf besonders inspirierte, konsequente Art gaga ist logischerweise das Gründungswerk. Edgar Honetschläger lässt da sein auf japanisch gackerndes Supermodel Erni (die Barbie unter den Hendln) die neue Kollektion für das modebewusste Huhn vorführen. Spleenig verpackt in einen Wien-Werbefilm für asiatische Touristen. Oh sexy Federvieh! Oder patriotisch. Im rotweißroten Lackanzug. Als dominantes Bundeshendl. Und das Ganzkörpertoupet? Wenn man das Langhaarfell mit Lockenwicklern eindreht, geht das Hendl sicher als Pudel durch. Wäre da nicht H5N1, dann wäre das Gassi gehende Huhn vielleicht eh "der" Trend.

Reichhaltig wie ein Zoo ist die Schau "Fauna://hybrid". Der Mensch und die Tierwelt: Tja, die sind möglicherweise in einer Beziehungskrise. Wieso sonst sollte der Oliver Bokan auf eine introvertierte Kiste ignorant "Maus" draufschreiben? Aus zoologischem Minimalismus, also Genügsamkeit? Andererseits: Sollten die zwei Nackedeis, die ihre Körper in Kan Xuans "Tierfilm" selbstlos einer Spinne auf Herbergssuche darbieten, zwei Arachnophobiker bei der Konfrontationstherapie sein, dann bemühen die sich doch wirklich . Sind so tierlieb, dass man schon fast so viel Gänsehaut kriegt wie bei "Tarantula".

Die natürlichste Sache der Welt? Schweinsschnitzel, glaub ich. In einer rabiat gemalten schweinischen Szene von Alexandra Baumgartner, die einen darüber aufklärt, wo der viele Schinken herkommt, zeugen eine Sau und ihr Liebhaber Nachschub für die Fleischindustrie. Mein Favorit: der poetisch surreale Animationsfilm "Contamination" von Carl Stevenson, der das Unbehagen und die Irritation bis zur Perfektion treibt und den Homo sapiens kurzerhand in den Genpool der Tauben schmeißt. Danach haben die Tauben unsre Ohren und die Passanten mindestens Flügel. Also Vorsicht: Vom Taubenfüttern kriegt man Federn!

Charim Galerie

(Dorotheergasse 12)

Fauna://hybrid

Bis 3. Juni

Di. bis Fr. 11 bis 18 Uhr

Sa. 11 bis 14 Uhr

Gschmackig verrückt.

*

Duschen ohne Norman

(cai) Die Inhalte seiner Bilder sind manchmal schon peinlich harmlos (wie ein Duschvorhang ohne Norman Bates). Und wenn er Frauen fesselt, ist das nicht einmal sexistisch. Sieht also nicht so aus, als hätte sich das patscherte Weibchen bei einem "Knoten im Haushalt"-Kurs im eigenen Seemannsknoten verheddert. Die banalen Motive, die Hubert Schmalix großzügig pinselt und flächig serviert, sind einfach dekorativ. Die Farbharmonien sind freilich unglaublich appetitlich. Und nicht jeder Künstler ist wie er in der Lage, eine Blüte zu malen, ohne beim Publikum einen Brechreiz auszulösen.

Hilger Contemporary

(Dorotheergasse 5)

Hubert Schmalix

Bis 17. Juni

Di., Mi., Fr. 10 bis 18 Uhr

Do. 10 bis 20 Uhr

Sa. 10 bis 16 Uhr

Souverän banal.

*

Achtung: Reizüberflutung

(cai) Ja, die sechs simultanen Filmrollen von T. J. Wilcox haben mich überfordert. Aber weil ich ihnen eine faire Chance geben wollte, fand ich erst nach einer halben Stunde den Mut zur Flucht, benommen vom Rattern der Projektoren, denen ich noch zumurmelte: "Ihr hobts gwunnan, i gib auf!" Oder ist diese seltsame Mischung seltsamer Dinge (ein Transsexueller spielt oben auf einem Hochspannungsmasten Luftgitarre und der Hund der Romanows ist offenbar mit der Zarenfamilie mitexekutiert worden) ein Test? Ob ich tauglich bin für den modernen Alltag, wo alles gleichzeitig in uns rein will? Und ich bin durchgefallen. Mist.

Galerie Meyer Kainer

(Eschenbachgasse 9)

T. J. Wilcox

Bis 27. Mai

Di. bis Fr. 11 bis 18 Uhr

Sa. 11 bis 15 Uhr

Erbarmen!

Mittwoch, 24. Mai 2006


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