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Filmpremieren auf der Documenta

Im ewigen Sog der Spirale



19. September 2007 
Um auch mal etwas Positives über Roger M. Buergel und seine Documenta zu sagen: In der Debatte um den Umgang mit Filmbildern im Kunstkontext hat sein Filmkurator Alexander Horwath das einzig Richtige getan und den angemessenen Ausstellungsraum gefunden - das Gloria-Kino. Es ist ja nicht so, dass die Art und Weise, wie sich der Kunstbetrieb das Kino einverleibt, unfruchtbar wäre, ganz im Gegenteil. Aber es muss eben auch gewährleistet sein, dass ins Kino zurückkehrt, was dort seine Heimat hat. Wenn im Aue-Pavillon ein Monitor Trisha Browns dreißigminütiges "Roof and Fire Piece" zeigt, dann funktioniert das nur als Referenz, denn kein Mensch wird es sich ernstlich in ganzer Länge ansehen. Ernie Gehrs "Serene Velocity" dagegen strapaziert in seiner sprunghaften Vermessung eines neonbeleuchteten Flurs zwar auch im Kino die Geduld der Zuschauer, aber nach anfänglicher Unruhe setzen sich die Leute dann doch den vollen 23 Minuten aus, die jeden Epileptiker aus der Fassung brächten.

Zwei Uraufführungen standen vergangenes Wochenende auf dem Filmprogramm der Documenta: Robert Beavers' Filmgedicht "Pitcher of Colored Light", in dem er das Haus seiner Mutter lyrisch vermisst, dem Licht im Garten nachspürt und in die Schatten hineinhorcht, und James Bennings "Casting a Glance", in dem er Robert Smithsons Land-Art-Projekt "Spiral Jetty" seine Reverenz erweist. Auch Benning erfordert Geduld - Titel wie "13 Lakes" oder "Ten Skies" halten, was sie versprechen, weil man in neunzig Minuten eben nichts anderes als dreizehn See- oder zehn Himmelsansichten sieht -, aber wer sich ihm aussetzt, wird reich belohnt, weil sich die Sinne weiten und man für eine Schönheit empfänglich wird, die anders nicht zu haben ist. "Casting a Glance" ist für Bennings Verhältnisse geradezu ein Actionfilm, denn die Einstellungen stehen kaum länger als zwei Minuten. Dafür zeigen sie stets dasselbe, nämlich die spiralförmige Landzunge, die Smithson 1970 in den Salt Lake gebaut hat. Aber erst bei Benning wird sichtbar, wie Jahres- und Tageszeiten sie verändern. In jeder Einstellung wird quasi ein neues Kunstwerk sichtbar - ein Wunderwerk der Kunstbetrachtung. Und Benning verortete sich dann auch gleich ganz im Sinne dieser Documenta, indem er sagte, er betrachte seine Filme als Installationen fürs Kino. malt

Text: F.A.Z., 20.09.2007, Nr. 219 / Seite 41
 
 
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