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LSD im Wunderland

Aufzählung (cai) Ein bissl fühlt man sich ja wie in diesem Märchen aus tausendundeiner Umnachtung. "Alice in der Wunderlampe", nein, falsch: "Ali Baba und die 40 Watt" (oder so). Jedenfalls legen sich im Keller der Galerie Mauroner lauter Tageslichtimitatoren (Neonröhren) ordentlich ins Zeug. Brennen und brummen angestrengt vor sich hin. Ein paar Leuchtstaberln tun sogar so, als wären sie ein romantisches Lagerfeuer. Dafür sind die Neonröhrln an der Decke alles andere als "al dente". Die machen schlapp wie zu lang gekochte Spaghetti. Haben einen Durchhänger. Daran ist sicher wieder diese Klimaerwärmung schuld (weil ich nämlich vorher garantiert kein Haschkeks genascht habe). Nein, ausnahmsweise ist ein Franzose der Täter. Bruno Peinado. Und für die Kunst kann das Klima nix.

Genau wie der Meister, auf dessen Namen er sich (fast) reimt, steht auch er total auf Spiegelschrift. Mussalles seitenverkehrt schreiben, mit seinen Neonröhren. Der Betrachter ist quasi Schneewittchen hinter den sieben Spiegeln, äh: Alice, und schaut auf die Rückseite der gespiegelten Wörter ("DNE EHT"). Moment, seit wann reimt sich Peinado fast auf Kubrick? (Wieso auf Kubrick? Ich hab doch den Leonardo gemeint, den da Vinci. Aha. In "Shining" gibt’s trotzdem eine geniale Spiegelszene, wo der Ynnad, Tschuldigung: Danny, dauernd "Redrum" brabbelt. Auf Deutsch: "Drom.") Soll das total verzerrte, naiv lächelnde Gesicht da eigentlich die Grinsekatze sein, die Mona Lisa vom Wunderland? Nein. Ein ironisches Zitat. Peinado, der die heile Glätte der Leuchtreklamenästhetik nicht nur sauber, sondern diskret sabotiert, hat aus einem Totenkopf von Holbein (den man erst aus einem schrägen Blickwinkel als solchen erkennt) die Ikone einer sehr speziellen Religion gemacht: Ein Smiley. Welche Religion denn? Na ja, die, die rückwärts gelesen das Sitzfleisch einer Biene stark betont: der Optimismus. (Hä? Wo ist da ein Bienenhintern? A so: Sumsi mit Po.)

Galerie Mario Mauroner - Basement
(Weihburggasse 26)
Bruno Peinado
bis 19. März
Di. – Fr.: 11 – 19 Uhr, Sa.: 11 – 16 Uhr

Hände hoch oder i schau!

Aufzählung (cai) Porträts schauen bekanntlich zurück. Die beobachten ihr Publikum. Aber dass eine gemalte Wasserpistole immer auf mich zielt und ich ihr einfach nicht entkommen kann, weil sie mich überallhin verfolgt, das ist mir neu. Der Gottfried Leitner hat dieses Wunder vollbracht (hat quasi Farbe in Paranoia verwandelt). Als Nächstes wird er noch eine Gelse malen, die den Schädel des Betrachters umschwirrt. Einrichten tut er seine Bilder ja spartanisch. Ohne Bodenbelag, ohne ein Ambiente. Lässt das meiste weiß. Bestenfalls zieht er eine dünne Linie und darauf muss sein Sohn Felix dann balancieren. Oder er kleckst einen leidenschaftlichen roten Fleck hin (einen Gefühlsausbruch), auf dem der Felix melodramatisch vor sich hin schmachten darf. (Gibt der grad eine Bestellung beim Universum auf?) Das sind bestimmt allegorische Darstellungen. Und wovon? Hm. Von der Pubertät wahrscheinlich. Von diesem emotionalen Ausnahmezustand. Ein süffiger Fotorealismus, sparsam im Ölverbrauch.

Galerie Lang Wien
(Seilerstätte 16
Gottfried Leitner
bis 19. März
Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 16 Uhr

Die Schweißfüße der Zeit

Aufzählung (cai) Einen Teppich kann man natürlich ganz gemütlich, also in Würde, altern lassen. Die Schweißfüßeder Zeit drübertrampeln lassen. Und die Ungeduldigen legen ihn halt auf die Südosttangente. Michael Kravagnas pittoreske Bilder (wo er spachtelt, wieder abschleift, feinmotorisch herumritzt) erzeugen mitunter genau diese Illusion. Sie wären überfahrene, nein, in Würde gealterte Perserteppiche. Malerei, die die opulente Schönheit der Vergänglichkeit zelebriert.

Artmark Galerie
(Singerstraße 17)
Michael Kravagna
bis 19. März
Do., Fr.: 13 - 18 Uhr, Sa.: 11 – 15 Uhr

 

Printausgabe vom Mittwoch, 09. März 2011
Online seit: Dienstag, 08. März 2011 18:45:00

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