| Die URL als das Maß aller Dinge | |
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Olia Lialinas Engagement um die Netzkunst wird nicht von allen gerne gesehen. Ihre Netzkunstwerke schon.
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Olia Lialina ist mit Sicherheit eine der
schillerndsten, aber auch umstrittensten Künstlerinnen der net.art.
Innerhalb einer Szene, die ihre schöpferische Kraft zu einem Gutteil aus
antikommerziellem Gedankengut schöpft, stieß sie mit ihren Versuchen, eine
strukturelle Normalisierung der Verhältnisse für Netzkünstler
herbeizuführen, bei vielen Künstlerkollegen auf Unverständnis und
Ablehnung. Vom Homepage-Basteln zur Kunst Ihren Weg zum WWW fand die 1971 in Moskau geborene Lialina, als sie für
den Underground-Film-Club Cine Fantom eine Homepage und ein
Online-Archiv erstellte: "Beim Programieren in HTML kamen mir viele Ideen
und ich begann, mit dem Code zu experimentieren und auszuloten, wie man im
Netz mit Filmen künstlerisch arbeiten könnte." Und die Künstlerin fand ihren Weg, wie sie nun bereits seit 1995
beweist. Ihr legendärer Netzfilm my boyfriend came back from the
war, ihre net.art Werke anna karenin goes to
paradise, heaven and hell
(gemeinsam mit Michaël Samyn) und agatha appears arbeiten mit
szenisch inszenierten Dialogen zwischen einzelnen Frames, die oft auch auf
verschiedenen Servern gelagert sind. Community der verlorenen Seelen International erlangte sie aber auch mit anderen Online-Projekten wie
der identity swap
database Anerkennung, bei der sich User unabhängig vom realen Raum
durch den Cyberspace beamen können und im Netz schließlich eine Community
der verlorenen, aber glücklichen Seelen bilden. Zwei weitere Kunstwerke, die wichtige Marksteine in Lialinas Schaffen
darstellen, sind will'n testament und das trust'n dust diary. Bei beiden
spielt das Prinzip der Vernetzung und das Spiel mit URLs eine große Rolle.
im will'n
testament vermacht Lialina Freunden aus der net.art-Szene und
Verwandten ihre eigenen Werke. Im trust'n dust diary
komuniziert ein Liebespaar mit Hilfe von Links über Themen aus dem Alltag
moderner Netzkünstlerinnen. Jet-Set ohne Jet-Lag
Ein zentrales Anliegen der Künstlerin war es von jeher, für
Netzkünstler Strukturen zu schaffen, innerhalb derer jeder Künstler
erstens ein Anrecht auf das Copyright für seine Werke hat und zweitens
dafür auch Geld verlangen können muss. Als Garant für die "Echtheit" eines
net.art-Pieces gilt für sie die URL (Netzadresse), die von ihrer Form her
auch wichtiger Teil des Kunstwerks ist. e-Mails checken statt Beschäftigung mit Kunst Deswegen setzt sie sich vor allem auch dafür ein, dass bei
Offline-Ausstellungen von Online-Kunst die verschiedenen Projekte auf
Rechnern mit Internet-Anschluss von ihrer ursprünglichen Position im Netz
aus gezeigt werden. Location=Yes lautet
ihr Motto. Das heißt, im Feld für die URL soll diese auch zu sehen sein,
selbst auf die Gefahr hin, dass die User vor Ort dann eine andere Adresse
eingeben und lieber ihre e-Mails online checken, als das jeweilige
Kunstwerk zu beachten. Gleichzeitig betreibt sie die erste Online-Verkaufs-Galerie, | ||||