24.09.2001 13:48:00 MEZ
Das Museum Leopold ist eröffnet
Direktor Rudolf Leopold bat nun doch Ministerin Gehrer für den offiziellen Akt ans Pult

Wien - Mit einem Festakt im Atrium des von den Architekten Ortner & Ortner erbauten Gebäudes ist am Freitag das Leopold Museum eröffnet worden. Die Frage, die einander die geladenen Gäste schon vor Veranstaltungsbeginn neugierig stellten, nämlich: "Wer wird eröffnen?", löste sich dann doch versöhnlich auf. Direktor Rudolf Leopold, von dem es geheißen hatte, er wolle sein Museum selbst eröffnen, bat Festrednerin Bundesministerin Elisabeth Gehrer nach seiner Ansprache noch einmal ans Pult, damit sie das Leopold Museum für eröffnet erkläre.

Im Vorfeld

So wie alles rund um die schwierige Geburt der Leopold Museum Privatstiftung und die Errichtung des Leopold Museums im Museumsquartier hatte auch dessen Eröffnungsfest seine Besonderheiten. So konnte Vorstandsvorsitzender Helmut Moser zahlreiche Festgäste begrüßen - Bundespräsident Thomas Klestil, den dritten Nationalratspräsidenten Werner Fasslabend, Kunststaatssekretär Franz Morak, Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Abgeordnete zum Nationalrat und Vertreter des Diplomatischen Corps -, nur Professor Leopold, dessen Lebenswerk an diesem Tag gewürdigt und gekrönt werden sollte, saß noch nicht in der Ehrenreihe, was wiederum viele Gäste an "Verspätungsanekdoten" erinnerte, etwa jene, dass manche Wiener Auktionatoren gar nicht beginnen, wenn der Sammler Leopold noch nicht da ist.

Gehrer reagierte in ihrer Ansprache auf bei der Pressekonferenz am Vortag formulierten Befürchtungen mit dem Bekenntnis, dass "selbstverständlich die Republik den Betrieb dieses Hauses sicherstellen wird - alle Ängste sind entbehrlich". Das Museum habe im MuseumsQuartier einen "idealen Standort" gefunden, meinte Gehrer, schließe doch die Sammlung inhaltlich an das gegenüberliegende Kunsthistorische Museum an und "passt hervorragend ins lebendige Umfeld des MuseumsQuartiers, denn sie beherbergt auch zeitgenössische Kunst". Leopold sei "sicher kein bequemer Partner, aber wäre er ein bequemer Partner, wäre er kein so guter Sammler". "Besessenheit bedeutet, dass man unbequem sein muss", meinte Gehrer, die Leopold für seine Energie, Beharrlichkeit und sein Durchhaltevermögen dankte - und seinen Mitarbeitern, "die es auch nicht sehr leicht gehabt haben".

Lob des Unbequemen

Leopold revanchierte sich prompt. "Nicht nur ich bin dafür bekannt, unbequem zu sein, sondern auch die Frau Minister", aber, und da sei er völlig mit ihr einer Meinung, "nur solche Menschen bringen etwas weiter." Leopold dankte auch den Architekten, die für "diese schöne und umfangreiche Sammlung einen wirklich schönen lichtdurchfluteten Kubus" geschaffen hätten, zuallererst aber seiner Frau Elisabeth und seinen drei Kindern. Sohn Rudolf Leopold sorgte mit seinem Celloensemble mit Mahler und Schubert für musikalische Umrahmung.

Gertrude Tumpel-Gugerell, Vize-Gouverneurin der Österreichischen Nationalbank, die einen wesentlichen Anteil am Zustandekommen der Leopold-Stiftung hatte, erinnerte auch an die persönlichen Opfer, die Leopold und seine Familie auf sich genommen hatte, um diese einmalige Sammlung aufzubauen. Dass die gesamte Familie Leopold mit allen vier Enkelkindern heute mitfeierte, rückte auch ins Bewusstsein, dass die Mitglieder dieser Familie auf ein phänomenales Erbe zu Gunsten der Stiftung verzichtet haben.

Weibels Laudatio

Medienkünstler und Medienkunstprofessor Peter Weibel würdigte in seiner Laudatio den "Sammler zwischen Kennerschaft und Wissenschaft", in dem er die Geschichte und den Wandel des Sammlers im Laufe der Jahrhunderte "vom Conoisseur, dem die Fähigkeit zugeschrieben wird, die Echtheit eines Kunstwerkes zu überprüfen" zum Kunstwissenschaftler nachzeichnete, der imstande ist eine Positionierungsleistung zu erbringen. "Nicht die Sammlung von Werken an einem physischen Ort ist das Entscheidende, sondern deren geistige Positionierung", meinte Weibel, der auch Marcel Duchamp zitierte: "Der wahre Sammler ist ein Künstler - im Quadrat. Er wählt Bilder aus und hängt sie an seine Wände, mit anderen Worten - er malt sich selbst eine Sammlung." (APA)


Quelle: © derStandard.at