Madonnen in blau-rot und blond sowie
Tiere hat Siegfried Anzinger in den letzten zwei Jahren gemalt. In großen
und kleinen Formaten formuliert er seine Bilder wie in den 80er Jahren in
einen Guss. Damals hatte die "Neue Malerei" einen neuen ästhetischen
Kunstkanon gefordert.
In ihrer Suche nach spontanen Antworten verließen die Bilder der
Künstlergruppe um Hubert Schmalix, Gunther Damisch und Josef Kern ihre
Ateliers oft allzu rasch. Kunstwerke wurden niemals korrigiert.
Sabine Oppolzer sprach mit Siegfried Anzinger kurz vor seiner
Ausstellungs-Eröffnung in Klosterneuburg.
Frage: Wie arbeitet Siegfried Anzinger heute?
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| Siegfried
Anzinger |
Siegfried Anzinger: Man muss in einem Tagwerk mit der Malerei
durchkommen. Vielleicht habe ich vier Stunden Zeit. Und wenn ich das nicht
schaffe, dann wasche ich das Begonnene in der Badewanne heiß ab und
probiere es am nächsten Tag wieder.
Manchmal gelingt es mir nach einer Woche, manchmal hänge ich auch drei,
vier Wochen oder zwei Monate an einem Bild. Einige Bilder in der jetzigen
Ausstellung sind in einem Zug gemalt, aber nicht mehr so abgehetzt wie
früher.
Frage: Die Arbeiten der "Neuen Malerei" entsprachen einem Trend,
der von Italien ausgehend ganz Europa erfasste. Gibt es eine bleibende
Änderung, die seither in der Kunstszene zu beobachten ist?
Siegfried Anzinger: Es ist schon so, dass die Öffentlichkeit
seit dieser Zeit verstärktes Interesse an der Kunst der Jungen hat. Vor
allem gibt es Interesse an dem Prozess, wie ein Künstler sein Werk
beginnt.
Früher hieß es ja, man müsse 60 Jahre alt werden, bis man eine
Museumsausstellung angeboten bekommt. Heute kann man fast nicht jung genug
sein, um ein Star zu sein. Dann kommt meist mit 30 die Zeit, wo die
nächstjüngere Generation zum Zug kommt. Und die muss man als 30-Jähriger
mit einigem Rückrat überstehen.