Flaggschiff mit Profil

Künstlerhaus neu in Zeiten von Museumsquartier, U-Bahn-Ausbau und Kunstplatz Karlsplatz.
Von Katharina Menhofer.


Rund 2.000 m² Ausstellungsfläche, Kino, Theater, Shop, Bar und Internetcafé. Es ist ein großes Flaggschiff, dieses Künstlerhaus mit seiner 500 Mitglieder starken Besatzung, und es steuert schon seit einiger Zeit einen neuen und innovativen Kurs an. Dieses Profil soll in Zukunft noch verstärkt werden, um in der reichen Wiener Museumslandschaft hervorzustechen und sich gegen andere Häuser abzugrenzen.

Künstlerhaus Wien / ©Bild: Riemer
Künstlerhaus Wien / ©Bild: Riemer

Konkurrenz fürchtet man weder vom Museumsquartier noch von der nahe gelegenen Secession - ganz im Gegenteil. Künstlerhauspräsident Manfred Nehrer: "Je mehr es an Aktivitäten gibt, desto besser. Mit der Programmschiene, die wir fahren (Architektur, Neue Medien, Kunst im öffentlichen Raum, Design, ...) füllen wir eine Lücke. Diese Position wird uns das Museumsquartier nicht streitig machen."

Synergien nutzen

Geschäftsführerin Doris Rothauer spricht sogar von einer geplanten Zusammenarbeit mit dem Museumsquartier. Geplant sind etwa ein gemeinsames Ticketing-System, gemeinsames Marketing, die Nutzung von Synergieeffekten.

Die Schlagworte: junges Potenzial, neue Medien und Cross-Over sollen zwar das Image des Künstlerhauses prägen, die eigenen Mitglieder - die Seele des Hauses - sollen aber nicht vernachlässigt werden. Diese großteils schon etablierten Künstler will man mit attraktiven Veranstaltungen nun verstärkt ans Haus binden. Im Obergeschoß wird ihnen eine Art Clubraum zur Verfügung stehen, eine Plattform für künftiges Clubleben. Dort können z.B. Diskussionsveranstaltungen über die Künstlersozialversicherung stattfinden - und im Untergeschoß wird es weiterhin Themenausstellungen geben.

U-Bahn verbindet

Ob man in Zukunft auch über Räumlichkeiten außerhalb und unterhalb des Gebäudes verfügen kann, wird sich demnächst entscheiden. Der Kunstplatz Karlsplatz - er soll die Institutionen des Platzes miteinander verbinden und neue Räume für die Kunst erschließen - ist vorerst nur ein Slogan. Die Verwirklichung scheiterte bis jetzt am Geld. Einzig die große U-Bahn-Baustelle verbindet im Moment die Gebäude.

Wenn die neuen Räume für das Künstlerhaus, für die es schon Pläne und Modelle gibt, auch verwirklicht werden sollen, so drängt die Zeit, meint Manfred Nehrer: "Das kann nur im Zuge des derzeitigen U-Bahn-Baues geschehen. Wenn es uns daher jetzt nicht gelingt, bis Frühsommer Geld aufzustellen, dann ist das Projekt nicht mehr wirtschaftlich. Es wäre allerdings auch eine Verpflichtung der öffentlichen Hand und kein Privatvergnügen des Künstlerhauses."

Geldquellen eröffnen

Auch in finanzieller Hinsicht gibt es im Künstlerhaus also Handlungsbedarf - im nächsten Jahr läuft der Vertrag mit dem Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten aus. Eine Art Mietvertrag, der vorsah, dass ein Teil der Räumlichkeiten für sechs Monate von den Bundesmuseen genutzt wurde.

Neben der Subvention brachte diese Zusammenarbeit auch publikumsträchtige Ausstellungen, wie die Max-Weiler-Schau oder die Ausstellung "Zwischenwelten" der Stiftung Ludwig ins Haus - eine durchaus fruchtbare Zusammenarbeit, um deren Fortsetzung man sich nun bemühen will und die man sich auch in etwas veränderter Form vorstellen kann - es sollen nicht nur Räume sondern auch Inhalte zur Verfügung gestellt werden, mit Unterstützung der öffentlichen Hand.

Sponsoren mit Inhalten

Finanzielles und Inhaltliches zu verbinden, steht auch bei den neuen Sponsoring-Verträgen des Künstlerhauses im Vordergrund. Denn wenn man die Programmschiene zu 50 Prozent aus eigenen Mitteln aufbringen muss, wird man erfinderisch. Künftig sollen die Sponsoren nicht mehr nur Geld und Namen sondern auch ihr Know-how zur Verfügung stellen.

So hat sich etwa das Sponsoring-Modell bei Themenausstellungen schon bewährt: die inhaltliche Kompetenz des Partners fließt in die Ausstellung ein, z.B. bei "Manifeste des Wohnens", wo eine Bank Kooperationspartner war.

Im Künstlerhaus ist man jedenfalls zuversichtlich, dass mit den neugeschmiedeten Ankern - Programm, Räume und Finanzierung - auch bei hohem Wellengang nichts passieren kann.

Link: Künstlerhaus

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