Salzburger Nachrichten am 25. August 2005 - Bereich: kultur
Frisch geschüttete Bilder

Die Galeristin Heike Curtze präsentiert im Sommer in Salzburg österreichische Gegenwartskunst. Sie ist die einzige Wiener Galeristin im Festspielbezirk.

Salzburg (SN-hkk). Zwei "Schüttbilder mit Hemd" sind die jüngsten Werke, die die Wiener Galeristin Heike Curtze während des Sommers in Salzburg zeigt. Diese Werke von Hermann Nitsch, im Juni 2005 entstanden, sind seit Ende der Vorwoche in Salzburg und die mit Abstand größten Exponate im Ausstellungsraum an der Hinterseite der Kollegienkirche. Viele der Bilder, die Heike Curtze in ihrer Salzburger Festspielausstellung präsentiert, sind "atelierfrisch", also 2005 entstanden. Im Parterre zeigt sie Werke der Altmeister wie Christian Ludwig Attersee, Jürgen Messensee, Hermann Nitsch, Osvaldo Romberg, Günter Brus und Arnulf Rainer, im 1. Stock gibt es Bilder junger Künstler. Außerdem pflegt sie in ihrer Salzburger Ausstellung ihr Faible für den Goldschmied und Schmuckmacher Giampaolo Babetto, der einzige Künstler in ihrer Galerie, der kein Maler ist.

Apropos Brus: Heike Curtze war es auch, die die Ausstellung der 64-teiligen Bilddichtung "Die Gezeichneten" von 1978/79 vermittelt hat, für die sich Günter Brus von Franz Schrekers Oper, die heuer bei den Salzburger Festspielen aufgeführt worden ist, hat inspirieren lassen. Diese Bilder aus einer Privatsammlung sind noch bis Ende August im Kleinen Festspielhaus ausgestellt.

Warum ist sie als Wiener Galeristin jeden Sommer in Salzburg? "Ich hab mir gedacht: Eigentlich ist das ein Jammer", erzählt Heike Curtze im SN-Gespräch. Dieser jammervolle Gedanke sei ihr gekommen, als vor vielen Jahren Kunden und Sammler sie darauf hingewiesen hätten, dass niemand während der Salzburger Festspielzeit österreichische Gegenwartskunst präsentiere. Denn die hiesigen Galerien machen für diese Wochen besondere Anstrengungen, um internationale Kunst vorzustellen.

Also kam sie erstmals vor zwölf Jahren, um vor allem Werke ihrer österreichischen Stammkünstler vorzustellen. Sie begann in der Kastvilla am Mirabellgarten, hatte dann ein Domizil in der Getreidegasse und ist nun das vierte Jahr in den Räumen der Katholischen Hochschulgemeinde an der Kollegienkirche. "Das hat immer gut funktioniert, der Besuch ist sehr zufrieden stellend", erzählt Heike Curtze.

Noch weitere Gründe sprechen für ihre Präsenz in Salzburg: Im Sommer in Wien gebe es vor allem ein Massenpublikum, Wiener Sommertouristen gingen eher in Museen, doch kaum in Galerien. In Salzburg hingegen "kommt das Publikum wegen der Kunst".

Zudem kämen nach Salzburg andere und für sie neue Kunden: "Leute aus Oberösterreich, Süddeutschland, Frankreich und Belgien." Viele kämen nach Salzburg nur, um Ausstellungen der bildenden Kunst zu sehen, berichtet die Galeristin.

Und: "Das Geheimnis des Erfolges in Salzburg ist, dass die Leute das Gespräch suchen und mehr Zeit haben als in Wien." Für sie als Galeristin bedeutet dies jedoch das Gegenteil von Freizeit: Sieben Tage pro Woche geöffnet, und möglichst immer anwesend. "Es genügt nicht, eine Ausstellung hinzuhängen. Man muss die Kunst persönlich vermitteln, man muss da sein, reden und Zeit haben."