| Salzburger Nachrichten am 7. Februar 2006 - Bereich: Kultur
"Schmierhunde" in Spanien Österreich ist Gastland
der Kunstmesse "Arco 06" - Personale mit Rainer/Roth
MARTIN BEHR MADRID (SN). "Austria at Arco": Unter diesem Motto präsentieren sich
nicht nur 22 heimische Galerien ab Donnerstag auf der internationalen
Kunstmesse in Madrid. Auch in zahlreichen anderen Museen, Galerien und
Kunst-Orten der spanischen Hauptstadt werden Werke von österreichischen
Künstlern gezeigt. Montagabend etwa fand die Eröffnung der Schau "Misch-
und Trennkunst" von Arnulf Rainer und Dieter Roth in den Salas de
Exposiciones statt. Die von Robert Fleck kuratierte Schau zeigt neben schon bekannten
Einzel- und Gemeinschaftsarbeiten der Künstlerfreunde auch Neues und
Unbekanntes von Rainer: Landschaftsfotos, die der heuer 77-jährige
Künstler in seinem traditionellen "Winterquartier" Teneriffa aufgenommen
und (nur teilweise) gestisch überarbeitet hat. Bei den Schwarzweißfotos,
die während Busfahrten entstanden sind, spiegelt sich das Fahrzeuginnere
in den Scheiben und bildet mysteriöse Schatten. "Eigentlich macht Rainer bei diesen Fotos alles falsch, was ein
Fotograf falsch machen kann", erklärt Fleck im Gespräch mit den SN. So
finden sich in den Bildern der kargen Landschaft auch die vor die Linse
des Fotoapparats gehaltenen Finger des Künstlers. Was auf den ersten Blick
wie eine raffinierte Computerbearbeitung aussieht, ist ein simpler "Low
Tech"-Fauxpas. Die mit kräftigen Farben überarbeiteten Meeres- und
Bergaufnahmen zeugen von Wildheit, gleiten aber mitunter doch immer wieder
ins Dekorative ab. Im ersten Stock des Ausstellungsgebäudes toben sich Rainer und sein
einstiger, 1998 verstorbener Teilzeit-Wohnungspartner Dieter Roth nach
Herzenslust aus. Die lustvoll überzeichneten und beschrifteten Fotos des
Duos stammen aus den wilden 70er Jahren, Rainer erscheint als kauziger
Performancekünstler mit Glubschaugen, Roth als gefallener Engel. Die
Farbtube wird zur Krone, die Finger entzünden sich wie weiland bei Stan
& Olie. "Schmierhunde" sind sie laut Eigendefinition beide, der in den
Gemeinschaftsarbeiten zum Ausdruck kommende subversive Witz gepaart mit
anarchischer Kraft war und ist beispielgebend. Ebenfalls seit Montag zu sehen ist das Projekt "On Site" vom Linzer
"O.K-Centrum für Gegenwartskunst", am Dach von La Casa Encendida ist der
von Prinzgau/podgorschek gefertigte Riesenglobus mit Meisenknödel
behangen. Heute, Dienstag, geht der rot-weiß-rote Vernissage-Reigen mit
der bereits in der Grazer Neuen Galerie gezeigten Schau "Postmediale
Kondition" sowie "Digital Transit" der ARS Electronica Linz weiter. |