Salzburger Nachrichten am 5. Mai 2006 - Bereich: Kultur
Der Standpunkt: Das Unermessliche der Kunst

HEDWIG KAINBERGER

Der Städtebund lässt eine Studie erstellen, um zu erfahren, welchen Sinn es hat, öffentliches Geld für Kunst und Kultur auszugeben. Da wagen wir eine Behauptung: Die Studie wird allerlei quantifizieren und analysieren. Doch es wird nicht gelingen, Inhalt und Ausmaß der Kunstsubvention zur Gänze zu erklären. Denn das Staunen, das Lachen, das Empfinden von Tragik und Trauer, das Nachdenken, das Gefühl, in Körper und Seele von Musik erfasst zu sein, das Gespräch über ein Theaterstück - das alles ist nicht zu messen.

Kunst zu subventionieren ist nicht allein ein Akt der Wirtschaftspolitik, sondern auch der Gesellschaftspolitik.

Wer die Kluft zwischen Reich und Arm verringern will, der macht Sozialpolitik, ohne nach deren Umwegrentabiliät zu fragen. Und wer will, dass Menschen offen, kritisch und sensibilisiert sind, dass es Stätten für Begegnung gibt, der sichert ein breites kulturelles Angebot.

Wird Kunst bloß nach Sekundäreffekten beurteilt, dann ist das der Anfang vom Ende der Kulturpolitik. Trotzdem ist der Auftrag für die Studie auch erfreulich. Denn die Kulturpolitiker machen sich wenigstens selbst auf die Suche nach Argumenten, anstatt das ung'schaut aufzugeben, von dem sie offenbar nicht mehr genau wissen, wozu es gut ist.