Hedwig Kainberger Köln, Naumburg (SN). Der Naumburger Uta wird dieser Tage die Show gestohlen. Nahe der Stifterfigur aus dem 11. Jahrhundert - eine der nach wie vor faszinierendsten Skulpturen einer schönen Frau - werden übermorgen, Samstag, Bildnisse der heiligen Elisabeth enthüllt, die der Leipziger Künstler Neo Rauch gestaltet hat. Mit dieser zeitgenössischen Kunst in einem altehrwürdigen Gotteshaus - der Naumburger Dom ist eines der bedeutendsten europäischen Bauwerke der Spätromanik - werden die Feiern des Elisabeth-Jahres mit einem für die katholische Kirche ungewöhnlichen Höhepunkt beendet.
Derzeit ist im Naumburger Dom die heilige Elisabeth von Thüringen, eine der populärsten Heiligen, deren 900. Geburtstag heuer gefeiert wird, mit einer Statue aus 1235 präsent. Nun zeigen in der Kapelle im Nordwestturm die 1,40 Meter mal 50 Zentimeter großen Glasfenster drei Szenen aus ihrem Leben, wie der 47-jährige Künstler der Leipziger Schule sie interpretiert.
Neo Rauch zeigt nicht eine entrückte, verklärte Helferin, sondern eine selbstbewusste, tatkräftige Frau in Rock und Bluse mit offenen Haaren. In der ersten Szene verabschiedet sie ihren in den Kreuzzug ziehenden Ehemann, den Neo Rauch wie ein Mitglied der DDR-Kampfgruppe aus den 50er Jahren kleidet. Im zweiten Bild reicht sie einem Gefallenen ein Tuch. Das dritte Fenster zeigt sie als Krankenpflegerin. Elisabeth hat als Witwe in Marburg an der Lahn ein Hospital gegründet und ist noch heute Patronin des Ordens der Elisabethinen, die in Österreich Spitäler in Wien, Graz und Linz unterhalten.
Neo Rauch hat seine Entwürfe der Kirche geschenkt, die Herstellungskosten von rund 15.000 Euro werden mit Spenden finanziert. Dies ist das mittlerweile dritte Kunstwerk eines zeitgenössischen deutschen Künstlers für eine renommierte deutsche Kirche.
Heuer im August war im Südquerhaus des Kölner Doms das Fenster von Gerhard Richter enthüllt worden (siehe Kasten links). Wie Neo Rauch hat Richter kein Entgelt verlangt. Kardinal Joachim Meisner trat heftige Debatten los, als er in Anbetracht dieses abstrakten Bildes davor warnte, Kunst von Gottesverehrung abzukoppeln. Empörung löste er mit der Feststellung aus: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte."
Anfang dieser Woche hat auch Markus Lüpertz sein Werk für die Kölner Pfarrkirche St. Andreas fortgesetzt (siehe Kasten rechts), deren Fenster im Zweiten Weltkrieg zerstört worden sind. Am Montag wurden im Machabäer-Chor zwei weitere neue Fenster enthüllt. Diese zeigen den Leidensweg Christi und der alttestamentarischen Machabäer.







