

Aggressives Graffito auf zarter Häkelspitze: "Silvio 1" aus Šejla Kamerićs Serie "Nigel U Go!" von 2010
Sarajewo 1992, Bosnienkrieg: Bei einem Luftangriff geht die National- und Universitätsbibliothek mit fast 90 Prozent der Bestände in Flammen auf. Das kollektive Gedächtnis einer Kultur: zu Asche verbrannt. Aber wie schwer wiegt der Verlust von Büchern und Gebäuden angesichts des gewaltvollen Todes von Menschen?
Die bei der Belagerung von Sarajewo kaum 16-jährige Šejla Kamerić verliert im Krieg Freunde und Verwandte, 1993 auch ihren Vater. Beim Brand der Nationalbibliothek, erzählt Kamerić, habe sie trotzdem geweint. Das Aufwachsen während des Bosnienkonflikts hat die künstlerische Arbeit der heute 33-Jährigen, die derzeit in der Galerie Krobath ausstellt, nachhaltig geprägt: Um Trauer, Erinnerung und kulturelles Gedächtnis kreisen viele ihrer Arbeiten, deren unmittelbarer Wirkung man sich kaum entziehen kann:
2005 reinszenierte Kamerić eine Zeichnung von Vincent van Gogh, die sie seit Kindertagen tief beeindruckt hatte: Sorrow zeigte die Prostituierte Sien, nackt, zusammengekauert, den Kopf zwischen den Knien. Mehr als 100 Jahre später schlüpft Šejla Kamerić für ihr Foto selbst in die verletzliche Haut der schmerzvoll Gebeugten, in die Rolle einer vom Krieg traumatisierten, gepeinigten, vergewaltigten Frau.
Zwei Jahre zuvor hat sie diese Erniedrigungen und das Wissen um die Massenvergewaltigungen bosnischer Frauen noch drastischer ins Bild gesetzt. Über ein Foto von sich selbst hat Kamerić den rassistisch-sexistischen Spruch gelegt, der an der Wand einer Armeebaracke der Unprofor gefunden wurde:"Keine Zähne ...? Schnurrbart ...? Riecht wie Scheiße ...? Bosnisches Mädchen!" Als Plakat, Postkarte und Inserat sorgte Bosnian Girl, ihre bekannteste Arbeit, für Aufruhr. Still und poetisch sind ihre Filme: What do I know? (2007) und Glück (2009).
Stille Beschaulichkeit und laute Aggression treffen auch in den neuesten Arbeiten in der Galerie Krobath heftig aufeinander: Auf traditionellen Häkeldeckchen haben sich - in der Street-Art "Tags" genannte - Namenszüge zerstörerisch ins zarte Gewebe eingeschrieben, überlagern es. Es sind die Vornamen der Politiker, die als Entscheidungsträger das Schicksal Bosniens während des Kriegs besiegelten. Andere spinnennetzartige Häkeleien mutieren zu überdimensionalen Zielscheiben. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.2.2010)
Galerie Krobath, Eschenbachgasse 9, 1010 Wien
Bis 13. 3.
Auktion bei Sotheby’s im Zuge von Privatrückgabe - Weltrekordpreis für Giacometti-Statue
Aneta Grzeszykowska in einer Einzelausstellung in der Galerie nächst St. Stephan in Wien
Programm lediglich bis zum Jahresende gesichert
Peter Noever, Direktor des Museums für angewandte Kunst, kämpft weiter für die Realisierung des Contemporary Art Tower
Klanginstallation der Berlinerin Miriam Kilali
Das
Berliner Festival für Kunst und digitale Kultur widmet sich vergangenen
und gegenwärtigen Vorstellungen von der Zukunft - Von 2. bis 7. Februar
2010
Historische Marktführerschaft für Christie's und Metropolitan kauft Messerschmidt-Kopf
Wie
baut man ein Gefängnis? Die Wiener Architektin Andrea Seelich stellte
sich diese verzwickte Frage und liefert die Antworten nun in einem Buch
Werk des Grazer Künstlers weit verstreut und hierzulande kaum bekannt
Kommende Woche stehen in London Impressionisten, Protagonisten der Moderne und der Gegenwart auf dem Prüfstand
Die Künstlerinitiative TransAct von "museum in progress" legte sich mit Schwarz-Blau an - Und bekam die Folgen des Machtwechsel alsbald zu spüren
Das
Verschlingen fremder Kulturen, Stile und Moden, ganz im Sinne von
Oswald de Andrades menschenfresserischem Manifest, ist diffuse Essenz
der "Tropicália" in Brasilien: eine Ausstellung in der Kunsthalle Wien
Tiroler Maler und Kulturvermittler
Franz J. Ringel-Filmporträt bei einer Sonntags-Matinee im Wiener Metro und am Tag danach im ORF-Nachtprogramm
Drago Persic' Schwarzweiß-Arbeiten in der Galerie Engholm Engelhorn in Wien
Camera Austria präsentiert Walid Raad - und prämiert Sanja Iveković
Christie's präsentierte Jahresbilanz
Ein
"Daguerréotype Giroux" von 1839, ein sensationeller Fund, wird bis zur
Auktion Ende Mai im Fotomuseum WestLicht in Wien präsentiert
Büroturm mit "Pole Position"
Das Essl Museum zeigt Hubert Scheibls "Fat Ducks": eine Zusammenstellung neuerer Bilder und Grafiken des österreichischen Malers
Die traditionsreiche "Schule des Sehens" mit 20 Kursen überwiegend für professionelle Künstler
Die
Ausstellung "tanzimat" widmet sich assoziativ osmanischer und
heimischer Geschichte, Themen wie kultureller Differenz, Expansion,
Zurückdrängung...
Karl-Heinz Ströhle in der Galerie Strickner
Einem Hauptwerk aus den eigenen Schätzen, Vermeers "Die Malkunst", widmet das Kunsthistorische Museum eine Soloausstellung
Bisher gab es aber keine Einigung mit Besitzern des Bollwerks der Visconti-Burg
Der
Videokünstler Rainer Gamsjäger verräumlicht die Zeit - Sein Medium
versteht er nicht als herkömmliche Abfolge von Einzelbildern, sondern
als Würfel aus Pixelinformation
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.
