| Kultur/Medien | 28.06.01 | www.DiePresse.at |
U-Bahn-Station: Geschöpfe und Wächter als Wegweiser
Rudi Wach, einem in Mailand lebenden Tiroler Bildhauer, gab die Wiener U-Bahn die Möglichkeit, ein Entrée ins Museumsquartier zu schaffen.
Als "Coup" verstehen jene, die dem neuen Komplex
Gestalt gaben und dessen Inhalte bestimmen, Rudi Wachs Wahl für das Gesicht der
U2-Station Museumsquartier. Der Künstler lebt seit Jahrzehnten, seit seiner
Studienzeit bei Marino Marini - mit Giacometti und Wotruba als Paten - in
Mailand. In Tirol und Oberitalien an vielen Orten auch im Zusammenhang mit
Architektur-Konzepten präsent, blieb er in Wien weitgehend unbekannt. Hat sich
jetzt aber einer großen Herausforderung gestellt.
Die Begleitumstände und
Hintergründe, denen es Wach zu verdanken hatte, sich an einem derart
hervorgehobenen Ort präsentieren zu können, lassen sich hier nicht erörtern.
Tatsache ist, daß sich die Wiener Linien für sein "Programm" entschieden haben
und damit nicht schlecht gefahren sind - obwohl sich seine großen, die beiden
Bahnsteige der U2-Stationen begleitenden Zeichnungen hinter schweren Gläsern als
nur mühsam entschlüsselbar erweisen werden.
Ein "Lauf der Geschöpfe" in Form
von achtzehn Positionen und einem Bronzerelief hat es mit einer sehr
persönlichen, eindrucksvollen, spannungsgeladenen Sicht auf Lebens- und
Ausdrucksformen in entsprechenden Metamorphosen zu tun. Ihr unruhiges Umfeld
scheint jedoch wenig geeignet, ihrem expressiven Gestus die notwendige Basis zu
verleihen.
Anders verhält es sich im darüber liegenden eigentlichen
Übergangsbereich. Dort postierte der Künstler seine zugleich archaischen wie
reich modulierten großen Bronzen: Den "Wächter", den "Lebenskeim" und das "Tor
des Verborgenen" in chiffrierten, aber einseh-, enträtselbaren Formen. Der von
Laurids Ortner - dem Architekten des Quartiers - gestaltete Umraum mit seinen
azurblauen Verschalungen verleiht dem Ensemble jenen adäquaten Rahmen, den man
sich auch für die Großzeichnungen im Fahrbereich wünschte, wo vor allem fahle
Mosaikwände einen Störfaktor bilden.
Wach hat große Anstrengungen
unternommen, um diesem Areal nicht nur einen Extrakt einer lebenslangen
Entwicklung einzuschreiben. Es ist ihm vor allem auf der oberen Ebene gelungen,
einen eindrucksvollen Übergang und Kontrapunkt gegenüber dem zu schaffen, was
Besucher des Quartiers in Zukunft erwarten wird.
Die Vorstellung der
Auftraggeber, ein Bindeglied zu den großen Museen zu schaffen, ist auch insofern
aufgegangen, als Wachs Geschöpfe auf uralten Symbolen zwischen der "Erdmutter",
"Geburt", "Bewußtwerdung", Alter und Tod gründen. Seine Verbündeten sind Dichter
wie Carlo Invernizzi, der davon spricht, daß sich in Wachs Werken das Sterben
des Lichts im Wunsch nach neuem Gesang entzünde.