

Dunkle, unheimliche Kinderfiguren mit Häkelkleidern: "Siblings with wool doll" von Aneta Grzeszykowska (2009)
Nur weil der jüngste Film der polnischen Künstlerin Aneta Grzeszykowska "Birthday" heißt, darf man sich in ihrer Einzelausstellung in der Galerie nächst St. Stephan keine bunten Luftballons erwarten. Vielmehr wird mit lebensgroßen Kinderfiguren, skulpturalen Objekten und Frauenporträts ein Szenario vorgeführt, in dem stachelige Kletten und schwarze Wolle für eine beklemmende Atmosphäre sorgen.
Kleine, stachelige Kletten, die sich nur noch stärker verkrallen, je vehementer man sie loswerden will, tauchen in der Ausstellung der 1974 in Warschau geborenen Künstlerin an den unterschiedlichsten Stellen auf: So formen sie etwa ein Hundeherz, das Aneta Grzeszykowska wie ein abstraktes Objekt auf einem Podest präsentiert, oder sie füllen einen riesigen Holzrahmen und geben darin den Anschein eines Gobelins, zu dem man besser Distanz bewahrt.
Gänzlich aufgelöst wird diese Distanz jedoch auf zwei Fotografien, auf denen die unliebsamen Anhängsel eine zusätzliche Schutzfunktion erhalten. An die Stelle von Scham- und Achselhaaren zweier Frauen gesetzt, wird - trotz oder gerade wegen ihrer lasziven Posen - gleichzeitig eine aggressive Haltung gegenüber (voyeuristischen) Annäherungen demonstriert.
Dass Aneta Grzeszykowska mit der Klette eine Pflanze gefunden hat, die ihr künstlerisches Interesse sehr schön symbolisiert, zeigt sich auch im zweiten Raum. Dort konzentriert sich die Künstlerin stärker auf ihre Biografie und die ambivalente Funktion von Familien.
Zu sehen sind lebensgroße, schwarze Kinderfiguren, die das Unheimliche eher auf klassischem Weg vermitteln, während eine Katze namens Devil zum Thema Verletzlichkeit noch einmal eine ganz andere Geschichte erzählt: Devil ist die Rekonstruktion einer Puppe, die Grzeszykowska als Teenager herstellte, wobei sie in einer unbedachten Bewegung das Auge ihres Bruders verletzte. In der Ausstellung wird das erblindete Auge, dessen Pupille unnatürlich mit der Iris verschwimmt, ín Großaufnahme vor einer Leuchtbox präsentiert.
Nachdem familiäre Abgründe grundsätzlich kein so großes Geheimnis mehr sind, lässt Grzeszykowskas Umgang mit der eigenen (Un-)Schuld den Betrachter um einiges irritierter zurück als etwa das Video Birthday, für das die Künstlerin Archivmaterial eines Kindergeburtstags in einen nicht ganz so aufregenden Thriller verwandelt hat. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.2.2010)
Galerie Nächst St. Stephan, Grünangergasse 1/2, 1010 Wien, bis 6. 3.
Stille Beschaulichkeit und laute Aggression: Šejla Kamerić in der Galerie Krobath in Wien
Auktion bei Sotheby’s im Zuge von Privatrückgabe - Weltrekordpreis für Giacometti-Statue
Programm lediglich bis zum Jahresende gesichert
Peter Noever, Direktor des Museums für angewandte Kunst, kämpft weiter für die Realisierung des Contemporary Art Tower
Klanginstallation der Berlinerin Miriam Kilali
Das
Berliner Festival für Kunst und digitale Kultur widmet sich vergangenen
und gegenwärtigen Vorstellungen von der Zukunft - Von 2. bis 7. Februar
2010
Historische Marktführerschaft für Christie's und Metropolitan kauft Messerschmidt-Kopf
Wie
baut man ein Gefängnis? Die Wiener Architektin Andrea Seelich stellte
sich diese verzwickte Frage und liefert die Antworten nun in einem Buch
Werk des Grazer Künstlers weit verstreut und hierzulande kaum bekannt
Kommende Woche stehen in London Impressionisten, Protagonisten der Moderne und der Gegenwart auf dem Prüfstand
Die Künstlerinitiative TransAct von "museum in progress" legte sich mit Schwarz-Blau an - Und bekam die Folgen des Machtwechsel alsbald zu spüren
Das
Verschlingen fremder Kulturen, Stile und Moden, ganz im Sinne von
Oswald de Andrades menschenfresserischem Manifest, ist diffuse Essenz
der "Tropicália" in Brasilien: eine Ausstellung in der Kunsthalle Wien
Tiroler Maler und Kulturvermittler
Franz J. Ringel-Filmporträt bei einer Sonntags-Matinee im Wiener Metro und am Tag danach im ORF-Nachtprogramm
Drago Persic' Schwarzweiß-Arbeiten in der Galerie Engholm Engelhorn in Wien
Camera Austria präsentiert Walid Raad - und prämiert Sanja Iveković
Christie's präsentierte Jahresbilanz
Ein
"Daguerréotype Giroux" von 1839, ein sensationeller Fund, wird bis zur
Auktion Ende Mai im Fotomuseum WestLicht in Wien präsentiert
Büroturm mit "Pole Position"
Das Essl Museum zeigt Hubert Scheibls "Fat Ducks": eine Zusammenstellung neuerer Bilder und Grafiken des österreichischen Malers
Die traditionsreiche "Schule des Sehens" mit 20 Kursen überwiegend für professionelle Künstler
Die
Ausstellung "tanzimat" widmet sich assoziativ osmanischer und
heimischer Geschichte, Themen wie kultureller Differenz, Expansion,
Zurückdrängung...
Karl-Heinz Ströhle in der Galerie Strickner
Einem Hauptwerk aus den eigenen Schätzen, Vermeers "Die Malkunst", widmet das Kunsthistorische Museum eine Soloausstellung
Bisher gab es aber keine Einigung mit Besitzern des Bollwerks der Visconti-Burg
Der
Videokünstler Rainer Gamsjäger verräumlicht die Zeit - Sein Medium
versteht er nicht als herkömmliche Abfolge von Einzelbildern, sondern
als Würfel aus Pixelinformation
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.
