| Im Paradies des Anti-Copyrights | |
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Olia Lialina befindet sich im Kreuzfeuer der Kritik, weil sie net.art verkaufen will. Man wirft ihr vor, sie wolle "Netzkunst auf den Status traditioneller Kunst regredieren lassen".
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Olia Lialina bietet in ihrer
online-Galerie art.teleportacia Netzkunstwerke
zum Verkauf an. Das trug ihr seit Start des Projektes im Sommer 1998
heftige Kritik aus der net.art-Szene ein. In der Mailinglist nettime wurden in Folge
wichtige Fragen wie die des Copyrights von Netzkunstwerken oder die
prinzipielle Idee eines Verkaufs von Online-Kunst aufgeworfen und teils
äußerst polemisch diskutiert. Aus Ignoranz für Copyright? Für die Netzkunstaktivisten 0100101110101101.ORG sind
Lialinas Aktivitäten pure Ignoranz gegenüber den eigentlichen Stärken des
Internet. Sie halten die Fragestellung "Wie kann man net.art verkaufen?"
für eine verschämte Umformulierung des eigentlichen Anliegens, nämlich
Netzkunst auf den Status traditioneller Kunst "regredieren" lassen zu
wollen. Die Durchsetzung des Copyrights von Netzkunstwerken als logische
Voraussetzung für den Verkauf sei, so 0100101110101101.ORG, das Ende der
Hoffnungen früher Netzkünstler: "Innerhalb von zwei Jahren wird es net.art
in allen Museen und kunsthisorischen Handbüchern geben. Die Namen der
'Protagonisten der heroischen Periode' (Anm.: Anspielung auf Lialinas
Ausstellung 'miniatures of the heroic period') werden bekannt sein,
Einflüsse, Generationen und so weiter werden festgeschrieben sein. Mit
einem Wort: die ganze gleiche Scheiße, die wir jedes Mal gefressen
haben." "Reale Welt statt Konfusion und Austausch" Und schließlich gab es gerade im Netz die Utopie, alles würde besser
und anders werden. 0100101110101101.ORG weiter: "Das Web ist das Paradies
des Anti-Copyrights, des Plagiats, der Konfusion und des Austausches.
Warum zur Hölle müssen manche Leute um jeden Preis eine Kopie der realen
Welt schaffen?" Olia Lialina hält dem entgegen, dass das Netz ganz einfach analog zur
realen Welt existiere und außerdem ohnehin ein Teil dieser Welt sei. Es
ist ihr nicht daran gelegen, irgendein Konzept zu verteidigen, sondern sie
stelle sich ganz einfach der Realität einer Welt, in der wir nun einmal
alle leben - online oder offline. Die Genialität mit dem Kunstwerk kaufen Ein anderer Diskutant, snafu, geht sogar noch einen Schritt weiter als
0100101110101101.ORG und meint, nicht erst das Copyright, sondern bereits
das ihm zu Grunde liegende Konzept des Originals widerspreche dem Wesen
des Internet. Schließlich sei Originalität die Basis, "auf der es während
der letzten 200 Jahre möglich war, Kunstwerke aus ihrem Herkunftskontext
zu stehlen und herauszulösen, um sie in westliche Museen und Galerien zu
verschleppen. Die Genialität des Künstlers war immer da, gefangen im
Kunstwerk. Du kaufst das Kunstwerk und bekommst ein Stück Genialität." snafu gibt sich schließlich versöhnlich: "Es ist zwar nichts falsch daran, wenn man für Netzkunst Geld verlangt, aber es ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, Kunst für Geld zu schaffen." Lialinas Anwort: "Ist es doch. :)" | ||