Salzburger Nachrichten am 10. Mai 2001 - Bereich: kultur
Eine Kunsthalle für alle

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Die einzelnen Kulturbauten des "komplexen MQ", des Museumsquartiers, stehen vor der Eröffnung.

JANA WISNIEWSKI

INTERVIEW

Vorgeprescht ist bereits die Kunsthalle: nach einem "open house" im vergangenen Februar mit einer auch voyeuristische Aspekte einbeziehenden "Installation" mit weiblichen Models von Vanessa Beecroft eröffnete der britische Videokünstler Steve McQueen vergangenen Dienstag offiziell die Halle im Erdgeschoss. Die SN sprachen mit dem Leiter der Kunsthalle, Gerald Matt, darüber, mit welchen neuen Ideen er das neue Gebäude ausfüllen wird.

SN: Mit Steve McQueen eröffnet die Kunsthalle Wien als erste im Museumsquartier, trendy und aktuell, wie man es von den letzten Jahren her vom Interimslokal am Karlsplatz gewohnt war.

Matt:

Das ist letztlich die konsequente Fortsetzung der Besiedelung des Museumsquartiers, das in den letzten Jahren kulturell kodiert wurde.

SN: Steve McQueen ist eine typische Ausstellung für die Kunsthalle, so wie sie sich in den letzten Jahren präsentiert hat.

Matt:

Wir haben ja versucht, in den letzten Jahren unser Programm ganz klar auf diesen grenzüberschreitenden Aspekt und den Bereich der zeitgenössischen Medien wie Film, Video, Fotografie zu verdichten. Nicht zuletzt deswegen, weil wir hier eine klare Identität schaffen wollen, neben dem Museum moderner Kunst und der Stiftung Leopold. Mit Steve McQueen sollte ein programmatisches Zeichen gesetzt werden, für diese junge Künstlergeneration, die sich mit zeitgenössischen Medien beschäftigt.

SN: Es geht also nicht um ein Hochjubeln von Technologien?

Matt:

Es sind Künstler die sich nicht auf diese stromlinienförmige, designte Mainstreamästhetik unserer heutigen MTV-Medienkultur einlassen, ja sogar radikal damit brechen. Es sind Künstler, die der Illusionswelt eine oft einfache, präzise, schlichte Sprache gegenübersetzen. Weglassen, reduzieren, entschleunigen, das sind die wichtigen Neuerungen. Es geht ja auch nicht darum, populäre Programme zu machen, sondern darum, die Programme, die wir konzipieren, populär zu machen.

SN: In den letzten Jahren gab es immer wieder Ausstellungen in der Kunsthalle, die man auch durch emotionale Annäherung erfahren konnte, die nicht viel theoretischen Überbau benötigten.

Matt:

Es gibt natürlich unterschiedliche Ebenen der Rezeption. Wir haben aber zum Beispiel in den Katalogen schon immer einen wissenschaftlichen Hintergrund. Es stimmt allerdings, dass beispielsweise bei Pippilotti Rist zu beobachten war, dass sie Herzen junger Besucher unmittelbar angesprochen hat. Mein Anliegen ist es, das kulturelle Potenzial nicht nur an die wenigen Wissenden weiterzugeben, sondern auch an die vielen, die davon profitieren sollen. Sehr wichtig war für uns, von den Anfängen der Kunsthalle wegzukommen, soll heißen von den Importen. Wir selbst wollen die Ausstellungen konzipieren. Einige dieser Ausstellungen konnten wir dann exportieren, an sehr renommierte Häuser.

SN: Kommt die Position, welche die Kunsthalle in Wien erringen konnte, auch international an?

Matt:

Wir sind international, und zumindest europaweit, was Städte mit einer ähnlichen Größe betrifft, die Institution, welche die größte Resonanz hat. Wir haben nicht nur ein Publikum, wir kommen auch immer wieder in ausländischer Presse vor, etwa in der New York Times. Die Kunsthalle Wien hat eine internationale Präsenz und ist damit auch für die Künstler eine gute Adresse.