Zeitgenössisches Kuriositätenkabinett

Ugo Rondinone zeigt seine erste Personale in der Kunsthalle Wien.


1995 begann Rondinone mit einer Serie fotografischer Manipulationen. In rotes Licht getaucht, schlüpfte er in Frauenkleider und fotografierte sich selbst in den unterschiedlichsten Posen. Die Serie heißt "I do not live here anymore" und nimmt thematischen Bezug auf ein Gedicht von Baudelaire, "Le Spleen de Paris." In dem Gedicht treten Gaukler, Clowns und Freaks auf.

"I do not live here anymore"

Androgyne Bilder

Rondinones Fotografie ist nicht allein durch die Verwandlung von Mann in Frau irritierend. In manchen Bereichen kommen Abgebildete den im Zirkus früher zur Schau gestellten missgebildeten Menschen sehr nahe. Man empfindet Empathie, manchmal auch Ekel für die Dargestellten. Rondinone fotografiert Stereotypen von Außenseiter und inszeniert sich dabei selbst.

Dösende Clowns

Dieser Faszination des Grotesken und Absurden unterliegt Rondinone auch, wenn er sich mit der Figur des Clowns auseinandersetzt. Drei dickbäuchige Clowns lehnen als lebensgroße Figuren im Eingangsbereich der Kunsthalle. Sie haben die Augen geschlossen. Ein Haarkranz umgibt ihre Schultern und den Bauch. Sie schauen lustig aus und man könnte meinen, sie würden bald aus ihrem Schlummer erwachen und Luftsprünge veranstalten. Die Arbeit trägt den Titel "If there were anywhere but desert" und ist 2001 entstanden.

"If there were anywhere but desert"

Verhöhnende Clowns

Mit Clowns beschäftigt sich Rondinone schon seit Mitte der 90er Jahre. 1995 schuf er ein riesiges silbernes Graffitibild eines Clowns an einer Galeriewand. Später verkleidete er sich selbst als Clown und schoss von sich wahllos Polaroids. Clowns sind auch Rondinones Thema bei der diesjährigen Biennale von Sao Paolo. Auf sieben Monitoren waren ruhende Clowns zu sehen, während von der Decke des Raumes, Sensor-gesteuert, ein schallendes, verhöhnendes Gelächter auf die eintretenden Besucher niederprasselte.

Anders als Bruce Nauman, der seine Clowns oft in quälenden Positionen auftreten lässt, spielt Rondinone mit den Erwartungshaltungen an die Spaßmacher und mit den landläufigen Klischees von Clowns. Ihn interessiert die Künstlichkeit der Maskerade.

"ERSTERNOVEMBERNEUNZEHNHUNDERT-ACHTUNDNEUNZIG"

Zerbrochener Spiegel

Das Hauptwerk in der Wiener Kunsthalle ist die Spiegelarbeit "No How On", die auch der Schau den Namen gab. Es sind dies mehrere verzweigte Holzgebilde, die mit kleinen Mosaiken aus Spiegeln überzogen sind, und den Betrachter in hundert Einzelteile zerlegen. Dazu ist eine repetierende Soundinstallation zu hören.

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