Um Stefan Sagmeister wird in Österreich ein ziemlicher
Kult betrieben. Die Journalisten reichen sich die Klinke in die Hand, er
gilt als ein Idol der jungen österreichischen Graphiker-Szene. Ging er
doch nach seinem Studium an der Wiener Angewandten in den achtziger Jahren
nach Hong Kong und New York und entwarf dort in seinem kleinen Studio in
Manhattan CD-Cover für die Großen des Pop wie den Rolling Stones, Lou
Reed, David Byrne und Aerosmith.
Das Museum für angewandte Kunst zeigt jetzt in ihrem
holzvertäfelten Kunstblättersaal, der sonst den Pionieren des Designs wie
Joseph Binder und Ernst Deutsch-Dryden vorbehalten ist, eine Personale mit
140 Arbeiten des Vorarlbergers - vom Plakat bis zur Visitenkarte.
Wie gibt sich jemand im persönlichen Gespräch, dessen
Karriere ihn an das Ziel seiner Wünsche und in eine Scheinwelt des
Glamours gebracht hat? Mit fast schüchternem Lächeln und jungenhaftem
Charme zerstreut der vierzig Jahre alte Austro-New Yorker schnell die
Klischees.
Aufmerksam und konzentriert erzählt er von seiner Arbeit,
beantwortet geduldig die Fragen nach seiner Begegnung mit den Stars: Ja,
Lou Reed stand eines Tages einfach vor der Tür seines Studios - und ja,
Mick Jagger wählte ihn als Designer für die "Bridges To Babylon"-CD aus,
weil er ihm von allen "am meisten sympathisch" war. Danach folgten viele
Meetings mit Jagger und Watts, das Ergebnis 1997 war ein opulentes Cover
mit brüllendem Löwen, der sich unter einer transparenten
Plastik-Schiebehülle mit barocker Ornamentik drohend aufrichtet.
Plakate für Hans Gratzer
Doch auch Stefan Sagmeister hat klein begonnen. Noch
während seines Studiums an der Angewandten, wo er durch den Austausch mit
seinen Kollegen "mehr lernte, als durch die Ausbildung bei Paul Kurt
Schwarz", entwarf er gemeinsam mit drei anderen Studenten als "Gruppe Gut"
Plakate für Hans Gratzers Schauspielhaus. Ein Fulbright-Stipendium führte
ihn mit 24 Jahren das erste Mal nach New York, dorthin kehrte er nach
einiger Zeit in Hong Kong 1993 wieder zurück. Mit der Ansage "Design for
the Music Industry" eröffnete er sein intimes Studio - wie auch heute noch
beschäftigte er nur zwei Mitarbeiter -, und nach Dutzenden
Visitenkarten-Entwürfen waren die wichtigsten Kontakte geknüpft.
Für seine CD-Cover wurde er mehrfach mit Grammies, den
Oscars der Musikbranche ausgezeichnet. 2001 erschien seine Monographie
"Made you look". Doch mit dem Erfolg wurde Sagmeister nachdenklich - seine
auf die Musikbranche konzentrierte Arbeit begann ihn "zu langweilen".
Vor zwei Jahren schob er ein Jahr Pause ein - ein Jahr
ohne Kundenaufträge. "Ich wollte mich an anderen Ideen im Design
versuchen", erzählt er bedächtig. Seit dieser Zeit der Besinnung "machen
wir nicht mehr so konzentriert auf Musik. Wir haben das reduziert auf ein
Drittel - ein weiteres Drittel sind jetzt sozial angehauchte Projekte. Das
letzte Drittel, normales Design für Unternehmen, soll das Soziale
finanzieren".
Die nächsten CD-Cover plant Sagmeister wieder für Lou
Reed, und auch mit den Talking Heads ist man im Gespräch. Ungefähr drei
Monate wird an einem solchen Entwurf gearbeitet. Die Kosten? "Das hängt
von der Größe der Plattenfirma ab. Das billigste war 500 Dollar, das
teuerste 65.000 Dollar".
In den Körper geritzt
Doch bevor ein Auftrag angenommen wird, muß Sagmeister
von der zu verpackenden Musik überzeugt sein. "Am allerwichtigsten ist es
zu wissen, daß auch das beste Cover nichts nutzt, wenn die Musik wirklich
beschissen ist. Das ist eine alte Regel in der Graphik, daß sie nie über
den Inhalt hinauswachsen kann."
Seine eigenen Inhalte vermarktete er 1999 in einer
Aufsehen erregenden Aktion: Für ein Ankündigungs-Plakat zu einem seiner
Vorträge in Detroit ritzte er sich die Werbebotschaft in den nackten
Körper. "Unter Designern ist das Vortrags-Poster eine Art eigene Sparte.
Ich habe sie studiert, und eigentlich sagen sie alle aus, was für ein
lustiger, farbenfroher Beruf das doch ist - das wollte ich nicht, denn
unser Arbeitsablauf ist nicht so heiter. Da ist oft viel Gereiztheit,
Druck, Streß, auch wenn einem das Endprodukt dann gefällt."
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