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24.09.2002 - Ausstellung
Lou Reed vor der Tür und die Stones verpackt
Stefan Sagmeister macht die Verpackung für die Stars: Mit einem CD-Cover für die Rolling Stones etablierte er sich in der Design-Branche in New York. Jetzt widmet ihm das MAK seine erste Personale in Österreich.
VON ALMUTH SPIEGLER


Um Stefan Sagmeister wird in Österreich ein ziemlicher Kult betrieben. Die Journalisten reichen sich die Klinke in die Hand, er gilt als ein Idol der jungen österreichischen Graphiker-Szene. Ging er doch nach seinem Studium an der Wiener Angewandten in den achtziger Jahren nach Hong Kong und New York und entwarf dort in seinem kleinen Studio in Manhattan CD-Cover für die Großen des Pop wie den Rolling Stones, Lou Reed, David Byrne und Aerosmith.

Das Museum für angewandte Kunst zeigt jetzt in ihrem holzvertäfelten Kunstblättersaal, der sonst den Pionieren des Designs wie Joseph Binder und Ernst Deutsch-Dryden vorbehalten ist, eine Personale mit 140 Arbeiten des Vorarlbergers - vom Plakat bis zur Visitenkarte.

Wie gibt sich jemand im persönlichen Gespräch, dessen Karriere ihn an das Ziel seiner Wünsche und in eine Scheinwelt des Glamours gebracht hat? Mit fast schüchternem Lächeln und jungenhaftem Charme zerstreut der vierzig Jahre alte Austro-New Yorker schnell die Klischees.

Aufmerksam und konzentriert erzählt er von seiner Arbeit, beantwortet geduldig die Fragen nach seiner Begegnung mit den Stars: Ja, Lou Reed stand eines Tages einfach vor der Tür seines Studios - und ja, Mick Jagger wählte ihn als Designer für die "Bridges To Babylon"-CD aus, weil er ihm von allen "am meisten sympathisch" war. Danach folgten viele Meetings mit Jagger und Watts, das Ergebnis 1997 war ein opulentes Cover mit brüllendem Löwen, der sich unter einer transparenten Plastik-Schiebehülle mit barocker Ornamentik drohend aufrichtet.

Plakate für Hans Gratzer

Doch auch Stefan Sagmeister hat klein begonnen. Noch während seines Studiums an der Angewandten, wo er durch den Austausch mit seinen Kollegen "mehr lernte, als durch die Ausbildung bei Paul Kurt Schwarz", entwarf er gemeinsam mit drei anderen Studenten als "Gruppe Gut" Plakate für Hans Gratzers Schauspielhaus. Ein Fulbright-Stipendium führte ihn mit 24 Jahren das erste Mal nach New York, dorthin kehrte er nach einiger Zeit in Hong Kong 1993 wieder zurück. Mit der Ansage "Design for the Music Industry" eröffnete er sein intimes Studio - wie auch heute noch beschäftigte er nur zwei Mitarbeiter -, und nach Dutzenden Visitenkarten-Entwürfen waren die wichtigsten Kontakte geknüpft.

Für seine CD-Cover wurde er mehrfach mit Grammies, den Oscars der Musikbranche ausgezeichnet. 2001 erschien seine Monographie "Made you look". Doch mit dem Erfolg wurde Sagmeister nachdenklich - seine auf die Musikbranche konzentrierte Arbeit begann ihn "zu langweilen".

Vor zwei Jahren schob er ein Jahr Pause ein - ein Jahr ohne Kundenaufträge. "Ich wollte mich an anderen Ideen im Design versuchen", erzählt er bedächtig. Seit dieser Zeit der Besinnung "machen wir nicht mehr so konzentriert auf Musik. Wir haben das reduziert auf ein Drittel - ein weiteres Drittel sind jetzt sozial angehauchte Projekte. Das letzte Drittel, normales Design für Unternehmen, soll das Soziale finanzieren".

Die nächsten CD-Cover plant Sagmeister wieder für Lou Reed, und auch mit den Talking Heads ist man im Gespräch. Ungefähr drei Monate wird an einem solchen Entwurf gearbeitet. Die Kosten? "Das hängt von der Größe der Plattenfirma ab. Das billigste war 500 Dollar, das teuerste 65.000 Dollar".

In den Körper geritzt

Doch bevor ein Auftrag angenommen wird, muß Sagmeister von der zu verpackenden Musik überzeugt sein. "Am allerwichtigsten ist es zu wissen, daß auch das beste Cover nichts nutzt, wenn die Musik wirklich beschissen ist. Das ist eine alte Regel in der Graphik, daß sie nie über den Inhalt hinauswachsen kann."

Seine eigenen Inhalte vermarktete er 1999 in einer Aufsehen erregenden Aktion: Für ein Ankündigungs-Plakat zu einem seiner Vorträge in Detroit ritzte er sich die Werbebotschaft in den nackten Körper. "Unter Designern ist das Vortrags-Poster eine Art eigene Sparte. Ich habe sie studiert, und eigentlich sagen sie alle aus, was für ein lustiger, farbenfroher Beruf das doch ist - das wollte ich nicht, denn unser Arbeitsablauf ist nicht so heiter. Da ist oft viel Gereiztheit, Druck, Streß, auch wenn einem das Endprodukt dann gefällt."



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